Das nagelneue Testament

25. Mai 2011

Überlegungen (5)

Filed under: Uncategorized — nagelneuestestament @ 17:30

Laut Bibel trennt sich nach dem Tode die Seele vom Leib und begibt sich, je nach Vorleben, auf direktem Wege entweder in den Himmel oder in die Hölle. (Das Fegefeuer hat ja Benedikt 16 neulich erst abgeschafft).

Nun wir die Hölle ja als Ort beschrieben, an dem es heiß hergeht. Feuer allüberall, Qual, Pein und Schmerz. So weit, so gut. Mein Gedankengang ist aber nun: womit spüre ich Schmerz und Pein? Mit den Nerven meines Körpers? Oder mit meiner Seele? Ich tendiere zu Ersterem. Denn wenn ich operiert werde und zuvor eine Betäubung erfahre, dann wirkt diese auf meinen Körper, nicht auf meine Seele (sofern ich eine besitze. Der Beweis der Existenz der Seele allgemein steht auch noch aus, soweit ich weiß). Ergo ist die Seele wohl, wie auch das Hirn übrigens, schmerzbefreit.

Wenn ich also am Ende meines Lebens in eine Gegend komme, in der die Durchschnittstemperatur dem Normalsterblichen bereits heftigste Schweißausbrüche verschafft, schert sich so eine Seele – wohl auch mangels Masse – kaum darum. Nadelstiche, Schnitte, Prügel: für eine Seele wohl eher unbeeindruckend. Ebenso dann der Himmel mit all seinen schönen Dingen. Denn wenn mein Körper irgendwo in der Erde vermodert, einige meiner Organe in anderen Menschen weiterhin ihr Werk tun, oder der Rest einmal kurz eingeäschert wurde, dann sind meine Augen nicht da, um weder Gott noch den Teufel zu sehen. Meine Ohren können nicht das Heulen und Zähneklappern aus Matthäus 13, 42 hören, selbst meine Zähne zum Mitklappern habe ich nicht dabei. Die liegen dann wahrscheinlich noch im Wasserglas auf dem Nachttisch. Hunger? Durst? Für eine Seele? Dann hätte ich doch gerne gewusst, wie die Verdauung solch einer Seele ist. Und wo in Himmel (oder Hölle) die Klos sind. Ach nee, Hölle braucht keine Klos, da ja dort Hunger und Durst gebräuchliche Folterwerkzeuge sind.

Also, was ist dann noch erstrebenswert am „Leben nach dem Tode“?

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19. Mai 2011

Überlegungen (4)

Filed under: Erster Teil — nagelneuestestament @ 13:04

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

Diesen Satz kennt wohl fast jeder. Die Schöpfungsgeschichte. Zerlegen wir sie mal grob.

Am ersten Tag schuf Gott Tag und Nacht. Hmm. Wir kennen den Satz „und der Herr sprach: es werde Licht!, und es ward Licht.“ Wenn Gott also Licht schuf, dann war es vorher dunkel. Wie kann er dann am ersten Tag Tag und Nacht geschaffen haben? Oder schuf er Tag und Nacht in der ersten Nachtschicht? Es ist das selbe Dilemma wie „Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“. Gegenwart existiert nicht. Oder doch? Eben noch Gegenwart, und schon Vergangenheit. Oder anders: Die Zukunft wird zur Vergangenheit in der Gegenwart. Verstehen Sie mich? Gott erschafft an einem noch nicht existierenden Tag einen Tag.
Zweiter Tag (oder doch eher erster Tag?). Das Himmelsgewölbe wird geschaffen als Trennung zwischen oberen und unteren Wassern. Setzt eigentlich voraus, dass davor alles voll Wasser war. Und dunkel. Somit haben wir eine Wasserwelt nebst Himmel am zweiten Tag.
Dritter Tag. Land und Wasser werden getrennt. War also doch nicht alles Wasser, damals. Irgendwo gab es noch einen Meeresboden, der vor dem Licht existierte. Oder entstand das Land durch zentrifugieren des Wassers? Waren da Feststoffe im Wasser gelöst? Spontantrocknung ganzer Kontinente innerhalb des Meeres? Wenn jetzt einer mit der Erklärung „vulkanischer Ursprung“ kommt: hey, am Anfang war alles dunkel, voll mit Wasser. Wo sind da dann die Vulkane? Das Magma, die flüssigen Gesteine? Und wenn flüssige Gesteine: die glühen aufgrund der Temperatur. Also wäre es nicht dunkel gewesen. Achso, Magma unterhalb der abgekühlten Schichten, daher alles dunkel: Wieso erschafft dann Gott am dritten Tag Land, wenn es schon da ist? Und dann gleich mit Pflanzenbewuchs. Außer in den Wüstengebieten. Oder auf hohen Bergen. Da waren die Pflanzen wohl ausgegangen.
Vierter Tag. Himmelskörper werden ans Himmelsgewölbe gepinnt. Wolken, Sonne, Mond, Sputnik, Sternschnuppen, Sterne und Polarlichter aus den zusammengekehrten Resten der Sterne. Kondensstreifen allerdings noch nicht, Gott hatte noch kein Lineal erschaffen.
Fünfter Tag. Meerestiere und Vögel werden erschaffen. Also lauter Eierleger. Was aber ist mit den Lebendgebärenden wie beispielsweise Walen, Delphinen oder Haien? Gut, die dann auch wohl.
Sechster Tag. Landtiere und am Schluss der Mensch werden erschaffen.
Siebter Tag ist Ruhetag.

So, jetzt meine Fragen: wer schrieb die Bibel? Gott? In welcher Sprache? Und in welcher Sprache sagte er „Es werde Licht“? Weil: Sprachen hatte er ja nicht erschaffen bis dato. Und wenn, dann erst mit der Erschaffung des Menschen am 6. Tag. Vorher aber…?
Nächste Frage: wenn die Menschen die Bibel verfasst haben, woher kommen dann die detaillierten Informationen über die Tage 1 bis 5? Weil mögliche Augenzeugen konnte es ja erst ab Tag 6 geben. Ok, Gott könnte dieses Wissen dem Menschen natürlich posthum ins Gehirn geblasen haben. Aber wieder: in welcher Sprache es zu verstehen und aufzuschreiben? In welcher Schrift? Ist Gottes Handschrift Latein, Griechisch, Mesopotamisch, Runenschrift, Ägyptische Bilderschrift, chinesisch, japanisch oder kyrillisch? Arabisch etwa? Hebräisch?

Auch wenn Gott Liebe ist (er gab Augen zu sehen, Ohren zu hören und einen Mund zu reden), so sollte Gott doch auch dem Menschen ein Hirn zum Denken gegeben haben. Aber da hakt es wieder mal.

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