Das nagelneue Testament

28. März 2011

Überlegungen (3)

Filed under: Dritter Teil — nagelneuestestament @ 13:05

Nachdem sich mit Wohlan eine kleine Diskussion in den Kommentaren entwickelte, möchte ich nun doch hier einen neuen Artikel erstellen. Zum Einen, um einen Überblick über den Diskussionsverlauf zu behalten, zum Anderen natürlich, um weiter zu provozieren. Wozu sonst ist dieses Blog da?

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen (oder auch Kommentare anderer Personen), hier noch einmal meine Meinung.

Die Bibel an sich ist eine Geschichtensammlung. Und zwar eine nicht besoners gut redigierte Geschichtensammlung. Das erkennt man bereits daran, dass sich im allerersten Kapitel (Genesis, auch das 1. Buch Mose genannt) dieselbe Geschichte zweimal hintereinander erzählt befindet. Dem Hauptklientel der Religionen mag das nicht auffallen, mir aber schon. Ziehen wir mal unsere Schlüsse aus diesem ersten Faux-Pas.
Erstens. Die Klientel ist an sich nicht mit überragender Intelligenz gesegnet. Weshalb sonst erzählt man ihr eine Geschichte zweimal hintereinander? Dies kann heutzutage auch bei gewissen Privatsendern beobachtet werden, die ständig ihre Sendungen wiederholen. Nicht unbedingt die gesamte Sendung, aber die letzten Szenen, die vor der Werbepause gesendet wurden, werden nach der Werbepause eben noch einmal gesendet. Man geht davon aus, dass der Zuschauer/Kunde einfach zu blöde ist, sich über die Werbepause hinweg etwas zu merken. Gilt dies auch für die Bibel? Ich sage: ja. Auch dort wird die Klientel als geistig träge eingeschätzt. Eine ideale Brutstätte für krude Ideen. Dies betrifft jetzt nicht nur die christlichen, nein, dies betrifft alle Religionen. Ein paar wenige „Auserwählte“ ergreifen für sich den Anspruch, das allgemeingültige Allwissen zu besitzen und daher die Menschheit damit beglücken zu müssen. Sei es nun durch Umgang mit Andersdenkenden, Behandlung von Frauen oder dem Beweis der Gläubigkeit. Im Rahmen einer „Gehirnwäsche“ wird versucht, die Halbwissenden unter der eigenen Herrschaft zu halten. „Wer glaubt, braucht keinen Beweis“ ist dabei ein Argument, mit dem man so ziemlich alles verkaufen kann. Und auch tut.
Zweitens. Die Wiederholung macht es, dass man denkt, eine Geschichte wird wahrer. Das wird heutzutage auch in den Medien probiert. Je öfter in den Nachrichten erwähnt wird, dass (aktuelles Beispiel) in Fukushima doch gar nichts Schlimmes passiert ist, desto mehr glauben(!) die Menschen dies, obgleich der gesunde Menschenverstand (hah! ist der bei jedem vorhanden?) und die sichtbaren Bilder eine ganz andere Sprache sprechen. Auch ein Zeichen der Gehirnwäsche. Ständige Wiederholung der gleichen Aussage wird irgendwann als „wahr“ aufgenommen und nicht mehr hinterfragt. Und wenn es sich danach doch als falsch herausstellt, hat man sich eben irgendwo geirrt. Irren ist menschlich.
Im Militär geht man übrigens den gleichen Weg. Ständiger Drill, ständige Wiederholung sorgen dafür, dass sich der gemeine Soldat nur keine eigenen Gedanken macht und einfach nur als Rädchen in der Maschinerie funktioniert. Auch hier kann man die Parallelen zum ersten Absatz sehen: es werden meist die bildungsärmeren Schichten bevorzugt, deren Manipulation ist einfacher als bei querdenkenden, rebellierenden Intelligenzbenutzern.

Wechseln wir kurz das Thema. Kirchen als Geschäftsmodell.
Das ist auch so ein Thema. Werden in Deutschland Kirchen noch als soziale oder öffentliche Institutionen gesehen, so sind sie hier in Westafrika ein business, werden auch so behandelt. Wer hier eine Kirche gründet, muss diese als Geschäft anmelden. Damit sind die Westafrikaner ein wenig näher an der Wahrheit dran als die Europäer. Denn was macht eine Kirche, ein Pfarrer?
Er verkauft an seine Kunden Versprechungen, für die er nicht geradestehen muss. Ein einträgliches Geschäftsmodell. Zerlegen wir das mal.
„Wer immer schön betet und an der Messe teilnimmt und nicht sündigt, kommt in den Himmel.“ Was ist das, der Himmel? Was wird da versprochen? Ein Leben, eine Existenz nach dem Tode, versprochen von einem Lebenden, der nicht verifizieren kann, ob es das auch wirklich gibt. Eine Idee, ein Traum, der den Kunden verkauft wird, ohne Garantie auf Erfüllung. Dafür verlangt der Pfarrer „nur“ sein Scherflein, seine Spende in den Klingelbeutel. Speziell hier in Afrika. Für mich ein typischer Fall von Vorschussbetrug. Eine Lieferung der Ware ist dabei nie vorgesehen. Und vor allem: weshalb muss man, sollte es wirklich einen nicht-irdischen Platz im Paradies geben, dafür vorab in irdischen Maßstäben und irdischem Geld bezahlen? Hat Gott denn ein Girokonto, auf das das Geld eingezahlt wird? Oder verbleibt etwa das Geld ganz irdisch beim Pfarrer?
Jetzt aber mal zur Belangbarkeit des Pfarrers. Die gibt es nämlich nicht. Eine absolute Gewinnerposition ist das. Nehmen wir ein Beispiel aus der hiesigen Sonntagsbelustigung. Während der Messe treten Menschen ans Rednerpult, die sich damit brüsten, was Gott für sie getan hat. Da gibt es jene, die einen Autounfall hatten und überlebten. Weil Gott sie schützte. Ich stelle mir nun die Frage, ob Gott den Sicherheitsgurt in ihr Auto einbaute, oder ob Gott das Auto allgemein erfunden und gebaut hat? Nein? Wer dann? Der Mensch? Gut. Das bedeutet aber auch, dass der Mensch sich durch das Gerät, was er selbst herstellte, in Gefahr brachte und dass der Mensch durch Lernen aus der Gefahr sicherheitstechnische Einrichtungen im Auto verbaute, um die Gefahr zu minimieren. Gott hat bis jetzt da noch keinen Finger gerührt. Außerdem sind es ja nur die Überlebenden, die stolz erzählen, dass Gott ihnen half. Diejenigen, die in Unfällen starben, können ja nicht mehr ans Pult treten, um zu erzählen, dass ihnen Gott eben nicht half. Da war es dann wohl „Zeit, dass er die Welt verlässt“. Auch so ein Blödsinn. Möglicherweise noch garniert durch die einschränkende Aussage „er/sie hat nicht genug gebetet und wurde daher von Gott zu sich gerufen“. Bedeutet das nun, dass man durch Nichtbeten früher in den Genuss des göttlichen Paradieses kommt? Dass die ganzen Hardcore-Beter eventuell niemals das göttliche Reich sehen werden? Oder ist es doch andersrum, dass speziell die Gläubigen das Himmelreich sehen werden, und zwar früher als die Ungläubigen? Dann bin ich lieber ungläubig, da ich dann eine sehr hohe Lebenserwartung hier auf der Erde haben werde. (In diesem Zusammenhang wundert mich natürlich, dass gerade Päpste, die ja die „Idealgläubigen“ sein sollten, so ein langes Leben haben und so lange auf den Eintritt ins göttliche Reich warten müssen.)
Zwischeneinfall: vielleicht gibt es ja wirklich etwas nach dem Tod. Und obige Überlegung bezüglich der langen Papstlebensdauer vorausgesetzt, kann das nutr die Hölle sein, denn weshalb sonst verzögerte Gott deren Erfahrungserweiterung so lange? Hölle bringt mich aber auch wiederum auf einen der folgenden Absätze.
Die Argumentation ist es, die mich stört. Ein Pfarrer stellt sich hin und verkündet, was einem alles im Nachleben erwartet. Pures Wunschdenken, pure Imagination ohne irgendeine Verifikation. Und aufgrund dessen wird gefordert, im aktuellen Leben sich den „Befehlen“ des Pfarrers, respektive seines virtuellen Auftraggebers, unterzuordnen. Auch wird gefordert, ganz im Sinne eines Geschichtenbuches zu leben. Um sich auf etwas vorzubereiten („Leben nach dem Tode“), von dem niemand weiß, ob und wie es existiert. Kann es nicht sein, dass im Nachleben ganz andere Prioritäten gelten? Wer beispielsweise die schönsten Nordlichter zustandebringt? Oder den höchsten Tsunami? Auch stört mich die Unangreifbarkeit des Produktes „Warme Worte“, die der Pfarrer da gegen Spenden unter die Bevölkerung bringt. Geht alles gut und nach Plan, ist es Gottes Hilfe, geht es schief, hat der Mensch sich nicht genug Gotte Wunsch gebeugt. Fehlverhalten von Gott oder Pfarrer? Fehlanzeige. Die grundsätzliche Schuld liegt beim Gläubigen.

Hölle. Genau. Und der Höllenfürst ist der Teufel. Dann gibt es da noch so eine Art Wartezimmer, das Fegefeuer. In welchem man wohl von seinen Sünden gereinigt wird und danach sich die Frage stellt: nach oben oder nach unten? Mir stellt sich eher die Frage nach der Allmacht Gottes, die ja überall proklamiert wird. Wenn Gott allmächtig ist, weshalb lässt er dann eine Hölle zu? Und als deren Geschäftsführer einen gefallenen Engel? Sollte Gott nicht im „Nachleben“ jedem Menschen Vergebung gewähren und daher eine Hölle, so es sie gäbe, obsolet sein? Wie groß ist Gottes Allmacht, wenn er nicht einmal gegen den Teufel ankommt? Und dieser ist ja nur ein ehemaliger Engel, also ein Gott untergeordnetes Wesen? Ist nicht soweit her mit der Allmacht. Und Hölle als Strafe, als Bedrohung für ungebührliches Verhalten im diesseits anzudrohen, wenn noch niemand beweisen konnte, dass sie existiert, wie kann das funktionieren?

Himmel. Auch so ein Thema. Religionsübergreifend. Muslime, die für eine gerechte Sache sterben (wer legt fest, was gerecht ist?), werden im Himmel mit 72 Jungfrauen „belohnt“. Wie sagte es ein deutscher Kabarettist so schön? „Weshalb sprengen sich nicht die Auftraggeber der Selbstmordattentäter in die Luft und überlassen stattdessen die Jungfrauen jemand Anderem?“ Nun, ein Argument könnte sein, dass sie sich nicht dem Stress aussetzen wollen, 72 Jungfrauen (sind die alle weiblich? Was, wenn da auch Männer dabei sind? Was gibt es für Selbstmordattentäterinnen? Oder sind die alle lesbisch? Was fängt ein Selbstmordattentäter mit den Jungfrauen an, wenn er sich sein Gebimsel mit 3 Kilo C4 pulverisiert hat?) anzulernen. Wahrscheinlich bevorzugen sie erfahrene Damen aus dem Horizontalgewerbe, die ihnen viel paradiesischere Freuden vermitteln können. Aber: kommen Prostituierte, speziell aus muslimischen Ländern, denn in den Himmel? Oder doch eher in die Hölle, weil es da wärmer ist und sie mit ihrer leichten Bekleidung sich dort besser akklimatisieren?

Ok. Wieder zurück zur Beeinflussbarkeit von weniger gebildeten Menschen. Die machen ja das Hauptklientel der Religionen, egal welcher, aus. Leicht zu manipulieren und ein guter Kundenstamm. Geht man jetzt davon aus, dass nur 20 Prozent der Produktionsmittel sich in den Händen von 80 Prozent der Bevölkerung befinden, dann sieht man, wie die Kirche mittels der „Kleinvieh macht auch Mist“-Methode reich wird. Ausbeutung der Massen, allerdings auf mehr oder weniger „freiwilliger“ Basis. Ein paar Wenige profitieren davon, eine Klientel, die sich bildete und das Prinzip der Massenausbeutung im Namen des Herrn perfektionierte. Kritiker werden kaltgestellt, auch in letzter Zeit hat das noch Gültigkeit (sagt jemandem noch der Name „Küng“ etwas?)

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16 Kommentare »

  1. Das ist in Ostafrika nicht anders. Erst kürzlich nahm ich an einem Gottesdienst teil, nach zwei Stunden Geschrei in einer Baracke hatte ich genug. Ich war da gewissermaßen auch nicht freiwillig, sondern sollte Fotos machen, um für diese „Kirche“ eine eigene Homepage zu basteln. Was ich als hilfsbereiter Atheist auch getan habe: http://www.jordansalvationchurch.de
    Der Dank Gottes ist mir nun gewiss. Komisch, warum hat er diese Homepage nicht erstellt, sondern bediente sich eines Atheisten? Na, vielleicht kann er nicht so mit dem PC umgehen.

    Kommentar von Frankie — 28. März 2011 @ 18:42

  2. Oh je, vorweg vielleicht folgendes;

    1, Ich habe mit der Kirche gar nichts zu tun. Meine bisherigen Kommentare haben dies vielleicht nur unterschwellig durchblicken lassen. Daher ernüchtert vielleicht auch die Tatsache, dass ich den meisten Punkten hier, bezüglich Kirche und ihrem Hauptklientel nicht wiedersprechen will. Der einzige Punkt, an dem wir uns vielleicht noch streiten könnten, ist, ob dies das Werk der Bibel sei, oder ob es grundsätzlich in allen Organisationen zur Abgabe von Verantwortung kommt. Ich behaupte sogar, würde das Kirchen-Klientel die Bibel wirklich aufmerksamer lesen und sie sich nicht mehr vorkauen lassen, wäre es um die Welt besser bestellt.

    2. Die Texte der Bibel, welche ich zu verstehen glaube, sagen mir, dass es wohl besser ist in keinem Verein seine Verantwortung abzugeben!

    3. Hätten wir diese Art der Diskussion um die Veden oder den Teil der Upanishaden gehabt? Die auch in der Wissenschaft, als Welt-Kulturerbe behandelt werden? Wohl kaum, oder doch?

    4) Zu den Wiederholungen (Ich habe lange überlegt, ob ich darauf wirklich antworten soll)
    Zuerst einmal ist das Wiederholen, eine Vorbedingung zum Lernen. (Kognition) Das hat nichts mit Bildungsstand zu tun. Im Gegenteil, sobald man selbst glaubt keine Wiederholung mehr nötig zu haben, oder auch glaubt nicht mehr dafür anfällig zu sein, ist das für die eigene Weiterentwicklung fast schon der Sargnagel! Natürlich wird das auch im Kommerz jeglicher Art ausgenutzt. Das kann ich nicht ändern! Wiederholungen sind aber auch ein bekanntes Stilmittel in der Literatur und Musik. Abgesehen davon kommt auch durch wortwörtliche Wiederholung, die Wahrheitsliebe zum Ausdruck. Dafür sind buddistische Urtexte, die nichts mit Glauben an Gott zu tun haben, ein, ja fast schon schonungsloses Beispiel.

    5) Es ist keineswegs mein Anliegen jemanden zu überzeugen, auch wenn es auf der einen, wie auf der anderen Seite dazu kommen könnte. Ich möchte in erster Linie, mich selbst von der Wahrheit (sofern keiner etwas gegen dieses Wort hat) überzeugen. Deshalb suche ich auch die Auseinandersetzung mit ähnlich motivierten Leuten.

    Zudem möchte ich mein Kompliment aussprechen, bevor diese Kommunikation ins stocken gerät! Ich habe bisher noch keine religionskritische Seite im Netz gefunden, die sich einerseits über den Gegenstand ihrer Kritik so gut informiert zeigt, wie diese hier und auf der anderen Seite ausschließlich in der Provokation ihren Sinn sieht! Ist da vielleicht doch so ein klitzekleines, winziges Stückchen Interesse an der Wahrheit mit im Spiel, … ???

    Würde mich ehrlich ungemein freuen!

    Kommentar von Wohlan — 28. März 2011 @ 23:02

  3. @ Frankie: wir wissen ja, dass Gott bereits vor dem Menschen existierte (kann eigentlich auch Nicht-Existenzielles existieren?), also weit länger als Ihre oder meine Großmutter. Und wie ich Ihre oder meine Großmutter einschätze, waren beide nicht in der Lage, einen PC unfallfrei zu bedienen. Wie sollte da Gott erst dazu in der Lage sein, wurde der PC doch vom Menschen erfunden und nicht mittels einer Lourdes’schen Marienerscheinung Bill Gates in die Wiege gelegt.

    @ Wohlan: das wird länger.
    1) Ich gebe zu, ich hatte den Eindruck, Sie seien Insasse einer Mönchsfabrik. Oder Vertreter des Wachtturms („Das Ende ist nah! Wir sind näher! Ihre Schneiderinnung“). Um den Streitpunkt aufzugreifen: das kommt in den Organisationen vor, in denen es um die Ausübung von Macht geht. Kirchen im Allgemeinen, bei Parteien (Fraktionszwang) oder auch in Aufsichtsräten (zum Wohle des Aktionärs, wobei die Aufsichtsräte wohl die Großaktionäre sind). Überall, wo sich Menschen dazu berufen fühlen, im Auftrag anderer deren Meinung zu vertreten. Was meistens schief geht, denn die eigene Meinung wird stärker gewichtet und die Meinung der anderen je nach Stimmenanteil gewertet. Aber dieses Schieflaufen nennt man dann „Demokratie“.
    Das mit der Klientel und dem Vorkauen: genau das versuchen die Kirchen ja zu unterdrücken. Dafür gibt es ja die Vorbeter in jeder religiösen Gemeinschaft, die die Texte so interpretieren, dass man damit die Gemeinde gut lenken kann. Kaum kommt Ostern, Weihnachten oder des Pfarrers Geburtstag, werden Bibelstellen zitiert, in denen Geben wichtiger denn Nehmen ist. Oder bei den Muslimen. Braucht man mal wieder Knalleffekte, wird schnell die Interpretation mit den Ungläubigen herausgeholt, die es zu konfirmieren gilt. Oder eben wegzusprengen. Eine Eigeninterpretation würde lediglich zur Revolution führen, das will man ja nicht. Ist in der Politik ähnlich, da werden dann Gremien, Ausschüsse und Werbekampagnen gebildet, um die Wählermasse davon zu überzeugen, dass so ein bisschen Stasischnüffelei im Privatleben der allgemeinen Sicherheit dient. Wer nichts zu befürchten hat, hat auch nichts zu verbergen. Oder andersrum.

    2) Verantwortungsabgabenverweigerung führt unweigerlich zur Individualisierung aller Lebewesen und damit zur Abschaffung sozialer Netze. Ist ein wenig Neoliberalismus, nicht wahr? Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Schön, solange es einem gut geht. Schlecht, wenn man auf einmal auf Hilfe angewiesen ist. Gibt man nicht bereits in der Familie Verantwortung ab? Es geht also nicht ganz ohne.

    3) Mit Veden, Upanishaden und Hinduismus kenne ich mich, trotz wikipedisierung der Begriffe, nun gar nicht aus. Ein wenig Grundwissen ist da, aber nicht genug, um es als Diskussionsgrundlage zu nutzen. Mir fehlen da Informationen, ob die Anhänger jener Religion oder auch des Buddhismus (der wohl keine richtige Religion ist) jemals aggressiv Kundenwerbung betrieben. So wie die Christen in Südamerika und Afrika, oder die Muslime im Nahen Osten und Nordafrika. Da bleibe ich lieber auf einem Terrain, in welchem ich leicht Zugang zu Quellen und Vorurteilen bekomme.

    4) und 5) Wahrheit. Auch so was. Wie definiere ich Wahrheit? Gibt es eine absolute Wahrheit, oder ist diese nicht sowieso abhängig von den Randbedingungen? Wenn ich sage „Das Gras ist grün“, dann ist es wahr, wenn das Gras nicht vertrocknet ist. Oder ich diesen Satz gegenüber einem Rot-Grün-Blinden äußere. Eigentlich ein Fakt, eine Wahrheit, aber eben abhängig von den Randbedingungen. Wenn ich sehe, dass Person A Person B eine scheuert, ist es dann wahr, dass Person A den Streit vom Zaun brach? Oder kann es nicht auch Person B gewesen sein, die Person A durch Worte provozierte? Worte sind schärfer als Schwerter, können mehr anrichten, Schaden wie auch Gutes. Wobei wir wieder bei der Bibel, dem Koran oder anderen Schriften wären. Das sind Sammlungen von Worten, die mit weiteren Worten interpretiert werden und, je nach Interpretationsrichtung, zu Kriegen führen können, aber auch zu Versöhnungen. Woher weiß ich nun, was wahr ist? Und wessen Wahrheit ich höre? Dereinst gab es diesen österreichischen Kunstmaler Schicklgruber, der nach seiner erfolglosen Karriere den zweiten Bildungsweg als Parteisprachrohr beschritt und seine eigenen Wahrheiten unters Volk brachte. Die führten dazu, dass man Personen, die an einen anderen virtuellen Freund als man selber glaubten, beschuldigte, am allgemeinen Unwohlsein Schuld zu sein. Und daher deren Zahl radikal minimierte. Doch war das die Wahrheit? Oder war es nur eine fixe Idee eines Einzelnen?
    Gehen wir in die aktuelle Zeit und schauen, was uns die Politiker da als Wahrheit verkaufen wollen. Beispielsweise, dass man niemals eine Doktorarbeit kopiert habe. Oder dass Atomkraftwerke sicher seien. Oder, oder, oder… Wenn jemand seinen Satz schon beginnt mit „Aber die Wahrheit sieht doch so aus…“, weiß man, dass eine Lüge folgen wird.
    Zurück zur Kirche. Nur einen Spautz her, etwa 500 Jahre, ist es, dass die Kirche behauptete, in Wahrheit sei die Erde eine Scheibe, um die sich die Sonne dreht. Das wurde ja widerlegt, irgendwann musste auch die Kirche zähneknirschend eingestehen, dass da die Wahrheit wohl etwas weiter entfernt war. Dann wird uns erzählt, dass Jesus Gottes Sohn sei. Echt wahr! Und Adam und Eva die ersten Menschen. Ich halte es da eher mit dem Sprichwort „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht.“

    Deshalb erst einmal: was überhaupt ist Wahrheit?

    Kommentar von nagelneuestestament — 29. März 2011 @ 13:25

  4. Um das Niveau mal etwas zu senken, gebe ich zum Thema Wahrheit Folgendes zu bedenken:
    Iss, was gar ist.
    Trink, was klar ist.
    Fi**, was da ist.
    Sprich, was wahr ist.

    Kommentar von Frankie — 29. März 2011 @ 14:11

  5. >> „Um den Streitpunkt aufzugreifen: das kommt in den Organisationen vor, in denen es um die Ausübung von Macht geht.“
    Jede Organisation benötigt Kontrollfunktionen (Positionen), somit ist jede Organisation mit Oligarchie behaftet. Die Idee oder der Zweck einer Organisation schützt genauso wenig vor Oligarchie, wie eine Parteizugehörigkeit vor Erkältung schützt.

    „Verantwortungsabgabenverweigerung führt unweigerlich zur Individualisierung aller Lebewesen und damit zur Abschaffung sozialer Netze.“

    „Aller Lebewesen“, ist sicher etwas übertrieben! Aber selbst, wenn es nur um den Menschen ginge und dem so wäre, würde das nur bedeuten, dass die Notwendigkeit sozialer Netze vom Grad der Verantwortungslosigkeit in der Gesellschaft abhängt. Mit anderen Worten: Je weniger Verantwortung abgegeben würde, um so weniger bräuchte die Gesellschaft soziale Netze. Denn die Familien und sozialen Strukturen in der Gesellschaft würden verantwortlich diese Aufgabe tragen. Das sei einfach mal für sie zum Nachdenken und taugt für keine Diskussion.

    Die Veden, Upanishaden habe ich nur heran gezogen, da diese ausschließlich aus ihrem tatsächlichen Inhalt her beurteilt und auch kritisiert werden können. Genau wie sie es beschrieben haben. Ob jemand jedoch damit irgendwas gemacht hat oder nicht, spielt für die Auslegung der Schriften absolut keinerlei Rolle. Würde man dies bei der Bibel auch tun und nicht im Zwang von vorherrschenden Glaubensdoktrinen oder Vorurteilen diskutieren, der Wert der Texte würde klarer werden. Nicht nur dem Kritiker, sondern vorallem diesem! Denn ohne die Bibel kritisch zu lesen, kommt man nicht weit mit ihr.

    Ein vorherrschender Falschglaube hat recht wenig mit den tatsächlichen Bibelinhalten zu tun. Und der Grund ist ganz simpel: Die Mehrzahl der Kirchenanhänger haben keinerlei eigene Kenntnis oder Erfahrung mit den oder über die tatsächlichen Bibelinhalte. Sie erwähnten so etwas ähnliches bereits. Es ist jedoch gerade deshalb absolut sinnfrei, gegen die Texte zu argumentieren, um Mißstände in Kirchen blockieren, verhindern, beseitigen oder bereinigen zu wollen. Da diese Missstände real nichts mit dem Schriftstück an sich zu tun haben.

    Kirchen berufen sich zwar auf Texte, dass ist aber auch schon alles. Die meisten Kritiker jedoch, geben vor zu glauben, wenn sie die Bibel kritisieren, würde Aberglaube aufhören. Das ist Mumpitz. Allein schon deshalb, da in der Bibel von Aberglaube an sich gewarnt wird. Götzenverehrung etc. sind auch dort als negativ beschrieben.

    Aber die Vorgehensweise vieler Religionskritiker fördert sogar einen vorhandenen Kirchenwahn. Denn daraufhin werden
    Kirchenhardliner selbst verstärkt in der Bibel lesen, um den Kirchenglauben zu bestätigen. Mehr nicht. Die wahre Message,
    die in den Texten stehen, wird dabei ausgeblendet. Man darf eben die Bibel nicht um der Bestätigung Wille lesen. Auch sollte man niemanden dazu bewegen, dies zu tun. Weder als vernünftiger Kritiker, noch als Wahrheitssuchender. Auch die Konfrontation mit den tatsächlichen Inhalten bringt nichts, denn diese werden vom Kirchenanhänger immer nur anhand der vorherrschenden Kirchenauffassung ausgelegt! Einen anderen Maßstab kennt der Kirchengläubige nicht. Und bedauernwerterweise viele Kritiker auch nicht. Beide Seiten sind sich aus gutem Grunde nicht bewußt darüber, dass man die Bibel, ohne selbst ein Maß anzulegen, lesen muss. Dies ist ausserdem keine Frage von „Intelligenz“ sondern Übung. Und der Grund, weswegen dies untergeht, ist der, dass die betroffenen Personen ansonsten, wegen dieser Unannehmlichkeit „selbst nachdenken zu müssen“, die Kirche oder den Kritikerposten verlassen würden, um nur noch Dagobert Duck Hefte zu lesen.

    Und so nachvollziehbar der Wunsch vielleicht sein möge, eine vernünftige Gesellschaft ohne Organisationen mit verzerrtem Realitätssinn zu realisieren, so nachvollziehbar ist vielleicht auch meine Frage:

    „Wohin mit dieser Masse von Leuten, die ihre Verantwortlichkeit, bezüglich der Wahrheitsuche, gewillt und gewohnt sind, anderen Leuten abzugeben?

    Damit meine ich nicht nur die Kirchenanhänger, sondern auch die Schar von Fernsehanhängern, die sobald der Knopf auf an
    geschaltet ist, alles aufnehmen, was eine kleine Gruppe von Leuten für deren Meinungsbildung vorsortiert haben. All diese Massen, vielleicht zählt man selbst sogar dazu, würden sich anderen Organisationen anvertrauen, alles mitmachen, alles unterschreiben, alles unterstützen, was man ihnen per Einlauf vorwärmt. Da sind diese Massen, derzeit, vielleicht besser in den Kirchen, in den Parteien und vor der Flimmerkiste aufgehoben. Meinen sie nicht auch? Dort ist es vielleicht für diese am sichersten 😉

    Was ist Wahrheit?
    Auch wenn Pilatus, in Joh 18,38, kurz nachdem er diese Frage stellt, sagt „Ich finde keine Schuld an ihm.“, sollten man sich dies vielleicht doch als Frage verstehen.

    Gibt es eine Eigenbeteiligung, eine Schuld, die mit der Wahrheit oder ihrem Gegenteil zu tun hat, steht Verantwortung in Kausalität mit Wahrheit?

    Kommentar von Wohlan — 30. März 2011 @ 11:08

  6. Ich habe mir erlaubt, Ihren Kommentar zu editieren. Jedoch lediglich bezogen auf die Kommasetzung, damit ich ihn leichter lesen konnte.

    So. Jetzt aber weg vom Gemüse, hin zum Fleisch.
    Der Falschglaube hat meines Erachtens nach mit der Interpretation der Bibelinhalte zu tun. Da setzt auch mein Kritikpunkt an, denn gerade diese Interpretation wird als allein seligmachend und „wahr“ angesehen. Nehmen Sie einfach mal (wenn das so einfach wäre) an einem afrikanisch geprägten Gottesdienst teil. Gemeinsam wird da ein Absatz, mehrere Verse, aus der Bibel gelesen. Und danach vom Vorleser interpretiert. Dies kann der Pfarrer selbst oder auch ein Laienprediger sein. Da wird das geschriebene Wort so verdreht, bis es in den Kram passt. Nichts Anderes wird auch mit dem Koran passieren, um die jungen, ehrfahrungsfreien Männer dazu zu bringen, sich auf einem belebten Markt neben Pfeffer-, Curry- und Masalapulver selbst in 350er Körnung zu zerlegen. In diesem Blog geht es nunmal um Religionskritik, während Kabarettisten sich beispielsweise mit Politikkritik auseinandersetzen. Auch eine Interpretationsgeschichte übrigens.

    Zur Frage „Wohin mit dieser Masse von Leuten…?“ hatten ja bereits die Alten Römer einen Lösungsvorschlag, der mit modernen Mitteln heutzutage einfach nur neu aufgelegt wird: panem et circensis. Brot und Spiele. Fernsehen als neues Medium der Dummhaltung des Volkes hat die Kirchen in dieser Aufgabe abgelöst. Gut, es gibt den Discovery Channel auf englisch, der noch ein wenig Bildung vermittelt. Aber das ist ja langweilig. Lieber schaut man Oliver Salesch mit dem Thema „Vater mit 13 – wenn die Schwiegermutter alkoholbedingt auf Rockkonzerten strippt“. Da ist dann alles vorhanden, was den „mündigen“ Bürger heutzutage interessiert: sex’n’drugs’n’rock’n’roll. Vorgetragen von Lebewesen, die mit Müh und Not gerade mal die Bewusstseinsschwelle zur Intelligenz erreicht, jedoch noch nicht überschritten haben. Und das Volk lässt sich einlullen. Früher, als alles noch besser war (copyright jeder Mensch, der älter als man selbst ist), war man gefordert, sich selbst zu beschäftigen und zu lernen. Oder eben in die Kirche zu gehen. Heutzutage feiern Fernsehen und Kirche eine friedliche Koexistenz, teilen sich die Klientel untereinander auf. Wahre Herausforderung? Fehlanzeige. Insofern haben die Zeuger vom Sofa vielleicht doch Recht: Das Ende ist nah!

    Und Wahrheit, wiederholend aufgegriffen, ist das, was einem selbst am besten in den Kram passt. Verantwortung und Wahrheit in Kausalzusammenhang? Wenn ich mir anschaue, wie verantwortungslos sich Manager heutzutage benehmen, ihre Vorgehensweise aber als die einzig wahre darstellen, dann bleibt für mich nur der traurige Schluss zu ziehen: nur Verantwortungslosigkeit ist Wahrheit.

    Kommentar von nagelneuestestament — 30. März 2011 @ 13:32

  7. …dass ist wahrlich „traurig“.

    Sie schauen sich die Manager an und sagen daraufhin, dass Verantwortungslosigkeit die Wahrheit wäre. Sie schauen sich die Kirchenhardliner an, wie diese biblische Texte interpretieren und somit „verdrehen“ und haben selbst nichts gegen Interpretation, wohl aber etwas gegen Bücher, die von anderen Menschen verdreht werden können.

    Also, so nagelneu scheint ihr Weg wohl kaum zu sein! Sie kritisieren Kirche und Religion und verhalten sich danach, genau nach dem, was sie beobachtet und kritisiert haben.

    Hallo Herr Heisenberg – (Sie erinnern sich) – Unschärferelation
    .. denn genau die Meßwerte ihrer Beobachtung manipulieren sie, weil eine solche Betrachtungsweise, ohne die Manipulation gar nicht möglich wäre. Und stellen daraufhin die Frage „Was ist Wahrheit?“

    Sie fühlen sich aber hoffentlich noch gut dabei ?

    Kommentar von Wohlan — 30. März 2011 @ 18:07

  8. Sehen Sie, genau das ist das Problem. Ich ziehe meine Schlüsse aus dem, was ich zu erkennen meine, stelle aber in Frage, ob dies nun auch wirklich so ist. Sie setzen es als Standpunkt meinerseits voraus. Und zwar genau dann, wenn ich meine These nicht als Frage formuliere.

    Gehen wir kurz von der Bibel weg zu den Managern. Ein solcher, der angestellt wird, um eine Firma im Sinne der Besitzer zu leiten, und nicht selbst Besitzer ist, kann sich folgenfrei auf seinem Platz austoben. Die Besitzer selbst führen das Unternehmen nicht, weil sie es wohl einerseits nicht können (Erben beispielsweise), andererseits zuviele sind, um eine einheitliche Strategie zu fahren (Aktiengesellschaften). Die Hauptaufgabe des Managers liegt nun darin, den besten Profit einzufahren. Wie er das macht, ist ihm dabei selbst überlassen, er ist ja der entsprechende Spezialist dafür. Nimmt man einmal an. Nun weiß so ein Manager (und von dieser Art habe ich bereits einige kennengelernt), dass er schlimmstenfalls mit einer Entlassung und einer hohen Abfindung zu rechnen hat. Im Versagensfalle. Ergo macht er, was er will. Natürlich muss er vor seinem Arbeitgeber gerade stehen mit seinen Aktionen, daher wird er jede Aktion als „wahre“ und „alternativlose“ Strategie verkaufen. Wahr und alternativlos für ihn selbst. Sein Einkommen, seine Position. Wenn dabei dann Menschen, Personal auf der Strecke bleiben, was kümmert es ihn? Er hat ja nur zum Wohle seines Dienstherrn und zur Mehrung des Vermögens gehandelt. Verantwortung für die Angestellten, die ja schließlich die Produktion sicherstellen? Kaum. Und diese Über-Leichen-Geher hatte ich im Hinterkopf als ich mich fragte: ist Wahrheit dann gleichzusetzen mit Verantwortungslosigkeit? Sie sehen, hier hängt Wahrheit wieder einmal von den äußeren Begleitumständen ab.

    Wie sieht das nun in einer beliebigen Religionsgemeinschaft aus? Doch ähnlich. Die Kirche „gehört“ den Gläubigen. Die Leitung übernehmen Manager, die nicht die Kirche mit eigenem Herzblut aufgebaut haben, sondern auch nur Angestellte sind. Versauen sie einen Auftrag in Europa, gibt es eine Strafversetzung in die Diaspora, Lateinamerika, Afrika, Grönland. Nur: wie versaue ich einen Auftrag? Nun, dafür gibt es viele Beispiele. Nehmen wir eines heraus: Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Hei, das wäre ja ein Ereignis, würde ein Lesbenpärchen im Petersdom in Rom getraut werden! Aber weshalb ist das nicht möglich? Nun, weil es eben in der Bibel so geschrieben steht. Und die Bibel immer Recht hat. (Wer will, kann gerne nachlesen: 3. Mose 18,22; 20,13; 5. Mose 23,18.19; l. Könige 14,24; 15,12; 22,47; 2. Könige 23,7; Hiob 36,14;Hosea 4,14; Weisheit 14,26; Römer 1,18-32; l. Korinther 6,9.10; l. Timotheus 1,8-11) Aber wieso?
    Nun, der Hintergrund ist dabei wohl, dass Sexualität in der Bibel rein zur Vermehrung, zur Fortpflanzung des Menschen betrachtet wird. Und nicht als ein Instrument, mit dem man nebenbei auch noch eine große Verbundenheit zum Partner ausdrückt. Daher sind wohl alle Pfarrer angehalten, diese durchaus auch in der Natur vorkommende Neigung zu verteufeln und als Sünde darzustellen. Wer das nicht tut und die Menschen so akzeptiert, wie sie sind, oder schlimmer noch: unterstützt, der hat ausgeschissen. Von dieser Einstellung her ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zur Rassenreinheit und Verdammung binationaler Ehen beispielsweise. Aber wahrscheinlich ist das, wie Homosexualität, auch alles „heilbar“.

    Was die Manipulation und Interpretation betrifft: ja, das mache ich. Was sonst? Soll ich eine neue Bibel schreiben, die allgemein als das Buch der Bücher anerkannt werden wird und nach der sich alle Menschen richten? Dann wäre ich nicht besser oder schlechter als jene, die dies zu ihrer Zeit machten. Denn auch ich würde irgendwann der Versuchung verfallen, mich zu bevorteilen. Es ist schwierig, etwas völlig subjektiv zu betrachten und zu bewerten.

    Können Sie das etwa?

    Kommentar von nagelneuestestament — 30. März 2011 @ 19:06

  9. Ich verstehe nur so viel, über dass, was sie hier schreiben, als dass diejenigen, die dass Ansehen suchen, sich wohl vor Verfolgung schützen wollen! (Gal 6,12 )

    >> „Es ist schwierig, etwas völlig subjektiv zu betrachten und zu bewerten. Können Sie das etwa?“

    Ob Sie „subjektiv“ geschrieben oder doch „objektiv“ gemeint haben, beeinträchtigt die Antwort nicht!

    Sollte die Betrachtung, dem Ziel der Wahrheitsfindung dienen, ist eine im Anschluss folgende Bewertung durch den Betrachter nicht nur unnötig, sondern absolut sinnfrei!

    Sie werden immer wieder, dieselbe Frage hören, wenn Sie mit anderen über Wahrheit sprechen: „Was bringt mir das?“ Allein die Tatsache, dass man etwas betrachten möchte, setzt bereits ein Motiv vorraus. Dieser Tatsache bewußt zu sein, hilft natürlich bereits zu Anfang schon, ungeeignete Maßstäbe (Motive) dingfest zu machen und auszugrenzen. Denn leider ist das Endergebnis immer nur dass, was das Motiv der Betrachtung zuläßt.

    Wenn es einem selbst gelingt, diesen Maßstab ausschließlich im Objekt seiner Beobachtung zu sehen, wird man auch die Beobachtung nicht mehr einem falschen Maßstab opfern müssen. Es gibt da untrügliche Zeichen, bei einem selbst, wenn dies gelingt!
    Oder knallhart ausgedrückt: Man muss auf das Objekt seiner Begierde verzichten, denn sonst sieht man nur … sein eigenes Motiv.

    Der Mensch sieht eben nur, dass wonach er trachtet, was ihn damm eigentlich für alles andere blind macht!

    Ich habe leider keine Quelle, aber das menschliche Auge soll nicht nur die Aufgabe haben, den Menschen sehen zu lassen, sondern vorallem, die sichtbare Wirklichkeit stark einzuschränken. Das gilt natürlich auch, auf geistiger Ebene, für das Motiv seiner Betrachtung. Es gibt einen Film „Der Mann mit dem Röntgenblick“ von 1963, der greift dieses Thema auf.

    Kommentar von Wohlan — 31. März 2011 @ 23:11

  10. Den Film kenne ich leider nicht. So etwas sieht man in den heutigen Fernsehprogrammen auch nicht mehr, da diese auf die Vermarktung kurzlebiger Serien und aktueller Filme ausgerichtet sind. Das gilt auch für das Ausland.

    Auch entschuldige ich mich, ich hatte wirklich „objektiv“ gemeint, aber aus Schusseligkeit „subjektiv“ geschrieben.

    Es gibt bestimmt verschiedene Motivationen, etwas zu betrachten. Neugier ist eine, der Versuch, eine Bestätigung der eigenen Meinung zu finden, eine andere. Dabei kann die eigene Meinung durchaus positiv oder auch negativ sein. Wahrheitsfindung, so als dritte Möglichkeit, dazu muss ich erst nachdenken, ob es das überhaupt gibt.

    Neugier ist wohl die beste Möglichkeit, an ein Thema heranzutreten. Man ist jungfräulich, unbelastet. Unter diesem Gesichtspunkt die Bibel zu lesen, könnte zur Wahrheitsfindung führen. Konjunktiv, das „Könnte“. Denn man kann auch mittels des geschriebenen Wortes Stimmung, Parteinahme erzeugen. Aus meiner eigenen Erfahrung erinnere ich mich da eines Buches, das mir von einer Bekannten aus der DDR mitgebracht wurde. Ich weiß noch, dass es meine Einstellung, mein Empfinden gegenüber Russen beeinflusste. Später, als ich gereifter war, erinnerte ich mich daran und konnte problemlos nachvollziehen, dass dort gezielt Propaganda verbreitet wurde. Propaganda im Sinne der damaligen Machthaber der DDR. Ein Kinderbuch zur Vorbereitung auf das politisch beeinflusste Leben. Daher der Konjunktiv. Denn die „Wahrheit“, die man dort aus dem Buch als Kind herauslas, war eine Agitation in eine bestimmte Richtung. Schwarz-Weiß-Malerei im Sinne der Regierung. Habe ich das nun objektiv oder subjektiv betrachtet?

    Ich versuche ja lediglich, die Bibel unter dem Gesichtspunkt (also einschränkend aus Ihrer Sicht) der Frage „Warum ist das so?“ zu lesen. Einfach hinterfragen. Egal, was es ist. Machen Sie das mal im realen Leben, und Sie werden merken, dass da einiges im Argen liegt. Denn nur so kann man lernen und – vielleicht – auch eine Wahrheit finden.

    Kommentar von nagelneuestestament — 1. April 2011 @ 17:04

  11. Sie können ruhig weiter die Bibel unter der Frage „Warum ist das so!“ „versuchen“ zu lesen! „Warum ist das so!“ ist aber nicht ihr Motiv.

    Das Motiv wird sich erst zeigen, wenn sie glauben eine Antwort herrausgefunden zu haben. Was wollen sie denn mit der Antwort tun?

    „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ so heißt es. Sie, ganz persönlich, werden dann feststellen, wessen Geistes Kind sie sind. Deshalb wird ihnen in aller erster Linie die Frage beantwortet werden, wer Sie selbst sind. Und wieso Sie sind, was sie sind. Und nicht etwa umgekehrt.

    Seien sie getrost, die Antwort, die Sie aus der Bibel in ihren Händen halten werden, richtet sich ganz nach den Früchten, die Sie gedenken daraus hervorzubringen!

    Ich frage jetzt nicht danach, ob sie mir glauben, sondern: Verstehen Sie, was ich hier behaupte?

    Kommentar von Wohlan — 1. April 2011 @ 22:38

  12. Nun, Sie behaupten nichts anderes als „Ich sehe, was ich sehen will. Und ich höre, was ich hören will.“ Ein beliebtes Spiel bei und im Vorfeld von politischen Wahlen. Und nicht nur dort, sondern überall.

    Dies ist eben die Krux, die niemand wahrhaben will: alles, aber auch wirklich alles, hat zwei Seiten. Das berühmte Yin und Yang, das sich ergänzt. Nehmen wir einfach die Politik als Beispiel: verspreche ich Steuersenkungen, so muss ich als Regierung damit rechnen, Mindereinnahmen zu haben und dann steuerfinanzierte Projekte nicht ausführen zu können, also Straßenbau und -erneuerung etc. Verspreche ich indes Investitionen in soziale und gemeinschaftliche Projekte, so muss der Wähler mit Steuererhöhungen rechnen. Ich kann als Werber, als Anbieter meiner Politik die Sachverhalte als rein positiv darstellen und die negative Zwangsbeigabe einfach unter den Tisch fallen lassen. Jahrelange Erfahrung des Wählers sollte eigentlich dessen Auge und Verstand geschult haben. Aber trotzdem bevorzugt er das Ausblenden des Negativen, das Verschieben in den Bereich „mich wird es schon nicht treffen“.

    Wie ist das nun bei der Bibel? Hier werden beide Seiten gezeigt. Einerseits der Himmel als das Paradies, in das es nach Lebensende gehen soll, wenn man sich nur an die Regeln und Vorgaben der Bibelerfinder gehalten habe. Andererseits das Fegefeuer und die Hölle für all diejenigen, die sich nicht unterordnen wollten. Doch beides ist, aus meiner Sicht, in seiner Existenz nicht bewiesen bis heute. Ein klassischer Fall von 419er Scam.

    Und was die 10 Gebote betrifft, nach denen der Mensch leben sollte: sind die nicht eigentlich selbstverständlich? Gut, sie setzen Selbstbeherrschung voraus, aber als „Krone der Schöpfung“ sollte dies doch ein Einfaches sein. Selbst Tiere schaffen es, die meisten der Gebote einzuhalten. Wieso der Mensch nicht?

    Kommentar von nagelneuestestament — 4. April 2011 @ 14:33

  13. Ihre Beobachtung, meiner Behauptung, ist zwar mehr als objektiv, aber sie sollten folgendes berücksichtigen:

    Ihre Beobachtung unterstreicht vollkommen zu Recht, durch das weglassen des Wortes „Motiv“, den Schwerpunkt meiner Behauptung! Dass Sie nämlich, dem Unterschied zwischen „Wollen“ und „Motiv“ nicht genügend Beachtung schenken! Und Ihre Beobachtung ist auch diesbezüglich korrekt, dass ich behaupte, dass sie irrtümlich oder anders gesagt, es wie als selbstverständlich vorraussetzen, dass ihr „Wollen“ allein von Ihnen selbst, als Ausdruck eines natürlichen Bedürfnis zu sehen sei!

    Diese beiden Behauptungen meinerseits, haben Sie alleine mit einem einziges Wort zur Geltung verholfen. Dem Wort „will“.

    Sich seines eigenen „Wollens“ so sicher zu sein, wie es bei Ihnen „scheint“, ist ein folgenschwerer Irrtum. Sie haben, wenn
    auch nur für einen kurzen Augenblick, vergessen, ihre zuvor gemachten Beobachtungen und Erkenntnisse über die Missstände unserer Gesellschaft, auch auf sich selbst anzuwenden! Alleine den privaten Flimmersendern kommen jährlich mehr als acht Milliarden Euronen zu, um das „Wollen“ der Menschen zu „steuern“. Daher ist die Annahme, das „eigene“ Wollen bliebe davon unberührt, weil man selbst, das Medium ja kritisch beobachten würde oder gebildet zu sein, ein Indiz dafür, dass das kein rausgeschmissenes Geld ist. Denn gleichgültig aus welchem Grund man sich vor den Kasten hockt, man ist der Suggestion ausgeliefert und wird
    manipuliert. So selbstverständlich dies auch klingt, so elbstverständlich sollte jeder auch eine konkrete Entscheidung und
    Verhaltensweise ableiten können.(http://de.wikipedia.org/wiki/Suggestion)(http://de.wikipedia.org/wiki/Suggestivkraft)

    Und zu dem, ob Himmel und Hölle nicht bewiesene Tatsachen seien, brauche ich wohl jetzt nur noch die Frage zu stellen:, Was beweist Ihnen denn, dass ihr Wille von Ihnen gesteuert wird und nicht von anderen?

    Kommentar von Wohlan — 5. April 2011 @ 18:27

  14. Ob willig oder unwillig, ob subjektiv oder objektiv, ob mit oder ohne Motiv, es heißt immer noch „voraussetzen“ und nicht „vorraussetzen“. Kommasetzung mangelhaft. „Sie“ und „Ihr“ werden in der Anrede groß geschrieben. „Das Weglassen“ ebenso. Einen auf intellektuell dicke Hose machen, aber sich dann als Legastheniker blamieren. Huch, wer hat denn eben bloß meinen Willen gesteuert, dies hier zu schreiben? Wohl gestern zu lange vor dem Fernseher gesessen und der Manipulation erlegen …

    Kommentar von Frankie — 6. April 2011 @ 11:34

  15. Oh, jetzt hab ich den pseudointellektuellen Wohlan verprellt, hehe.

    Kommentar von Frankie — 20. April 2011 @ 11:18

  16. Ich hatte bisher keinen Kommentar verfasst da ich angenommen hatte, es handele sich um soetwas wie eine satirische Nachahmung (Beispielhaftem Praxisbeispiel) meiner zuvor gemachten Beobachtungen.

    Falls dem nicht so ist, was mir nun der letzte Kommentar von Frankie nahelegt, folgendes zur Aufklärung:

    Soetwas wie „willig oder unwillig“ oder „mit oder ohne Motiv“ hatte weder ich, noch das nagelneuestestament geschrieben. Es war ausschließlich von Wollen, Wille und Motiven die Rede und ob diese bewußt oder unbewußt wären, aber keineswegs ob jemand willig, unwillig, mit oder ohne Motiv sei … .

    Ich sehe also Frankies Kommentar als Praxisbeispiel meiner zuvor dargelegten Beobachtung: „Leider ist das Endergebnis immer nur dass, was das Motiv der Betrachtung zuläßt.“ Es steht eben jedem auch frei, Dinge zu lesen, die gar nicht geschrieben wurden.

    Also von „verprellen“ kann keine Rede sein, im Gegenteil, ich hatte angenommen verstanden worden zu sein!

    Falls jedoch tatsächlich Elemente hier erwähnt sind, die einen blinden Fleck bei mir anzusprechen versuchen, (abgesehen von Rechtschreibfehlern) wäre ich für jeden weiteren Hinweis sehr dankbar.

    Kommentar von Wohlan — 23. April 2011 @ 01:02


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