Das nagelneue Testament

6. März 2011

Gott einmal psychologisch betrachtet

Filed under: Dritter Teil — nagelneuestestament @ 13:48

Es ist immer wieder interessant, wenn man auf Leute trifft, die die Bibel als ihren Lebensleitfaden betrachten, trotzdem aber nicht abgeneigt sind, gewisse Vorschriften ganz nach ihrem Sinne zu verbiegen. Church on Sunday, sin on Monday, so wohl die Devise dieser Gläubigen.

Nun, ist dies doch auch kein Wunder (hah! Welch Wortspiel!), sondern fußt auf der Vermutung, dass Gott die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen habe. Und da geht es schon mal los.

Wir lesen in der Bibel, dass Gott den Mann schuf, geschaffen nach seinem Ebenbilde. Also schließen wir daraus, dass Gott doch keine Alice Schwarzer oder ein geschlechtsloses Neutrum sondern ein stolzer Schwänzelsträger ist. Wie sonst soll er „nach seinem Ebenbilde“ etwas schaffen? Bei den Tieren wurde übrigens nicht gesagt, dass er sie nach seinem Ebenbilde geschaffen habe. Also kriegt dieser Gott schon einmal eine Gestalt. Stehpinklergestalt. Danach schafft Gott aus Adams Rippe eine Frau. Ergo gehen wir mal davon aus, dass dieser Gott entweder keine Frauenquote bei der Erschaffung von Lebewesen zulässt, oder einfach nur vergesslich ist. Denn bei all dem Krauch-, Flieg- und Schwimmzeug hat er ja auch Männlein und Weiblein erschaffen. Na ja, vielleicht dachte er sich von Anfang an schon, dass das mit den Menschen kein gutes Ende nehmen kann und hat daher nur den Mann erschaffen. Damit der sich für ein paar Jahre einen schleudert, aber dann wieder von der Bildfläche verschwindet. Aber dann kam so eine Frauenbeauftragte, schwafelte was von „50% Frauenquote“ und schon nahm das Unglück seinen Lauf.

Nun, wenn Gott wollte, dass der Mensch perfekt ist, hätte er ihn so geschaffen. Wollte er aber offensichtlich nicht, denn warum sonst bringen sich Menschen gegenseitig um, beklauen sich, oder erfinden Dinge, die direkt nach der Garantiezeit kaputtgehen? Ich nehme an, Gott stellte sich so ein Grundmodell von ihm selbst vor, ohne Extras, um mal zu sehen, ob das Teil auch imstande ist, selbständig zu lernen. Schnell stellte er fest, dass da einiges schiefgelaufen war, denn das einzige, was dieses Grundmodell konnte, war poppen und Gesetze missachten. Gut, damit hatte das Grundmodell auch etwas gelernt, aber eben nicht im Sinne des Erfinders. Vielleicht hätte Gott ja etwas mehr Göttliches einbauen sollen? Aber dann wäre die Gefahr zu groß geworden, dass das Modell rebelliert und sich selbst auf den göttlichen Thron setzen wollte. Und da saß ja nun mal Gott schon. Einer schaffte es, durch sein Gesabbel die anderen Menschen zu überzeugen. Der nannte sich später „Papst“ und gab diesen heiligen Stuhl auch nur an seine Stammesbrüder weiter. Wieder nichts mit Frauenquote.

Jetzt aber mal zur psychologischen Betrachtung. So ein Gott, der hat ja Allmacht. Mehrere Namen zwar, gibt aber, auch laut Islam, nur einen. Da frage ich mich, was dann die Aufgaben vom heiligen Geist sind? Ist das so eine Art Faktotum oder Stellvertreter mit Wundergenehmigung? Oder einfach nur vielleicht so ein Seitensprungergebnis, das dann auf der Erde mal schnell ein paar unschuldige Weiber schwängerte, von denen eine dann ihr Baby werbewirksam vermarktete? Mehr hat er ja wohl nicht zustande gebracht. Oder ist das nur eine Verkleidung für Gott, da ihm die Göttinnen mit der Zeit langweilig wurden (multiple Orgasmen als Standard beispielsweise, nie Kopfschmerzen, dauerrallig…) und er mal was Bodenständiges ausprobieren wollte? Jedenfalls hat Gott da einige Defizite.

Beispielsweise Zorn. Wer solch eine Position innehat, sollte eigentlich frei von gefühlsgelenkten Entscheidungen sein. Ich denke da an Sintflut, Jericho, Sodom und Gomorrha. Und zackbumm, ein paar der Eigenentwicklungen zerstört. Das ist eher das Verhalten eines unreifen Buben, der sein Spielzeug vorsätzlich kaputtmacht. Vor allem: was nutzte es den Menschen, die sich da gegen seine Gesetze gestellt hatten? Plopp, Licht aus bei denen. Endgültig. Lerneffekt: keiner. Denn die, die sich sowieso nach Gotes Gesetzen richteten, die sahen zwar, was passieren kann, aber die hätte es eh nicht getroffen.

Dann Gier. Es muss wohl pure Gier gewesen sein, die Gott für seinen Baum der Erkenntnis verspürte. Denn wieso sonst wollte er die Frucht nicht mit den Menschen teilen? Hätte er geteilt (schließlich kam es ja eher unfreiwillig dazu), so wären die Menschen auch nicht erkenntnisreicher geworden als sie heute schon sind. Was war denn die Erkenntnis? Dass sie nackt waren und sich schämten. Ergo muss man daraus folgern, dass Gott jemand ist, der sich schämt, wenn er nackt ist. Wieso wohl? Und vor wem?

Sadismus, auch so eine Regung. In der Bibel wird viel geschrieben davon, dass das Volk Israel nach Ägypten versklavt wird und von dort flieht. Verfolgt von einer Armee, die jämmerlich im Roten Meer ersäuft. Ich kann mir gut vorstellen, dass da irgendwo ein Gott sitzt und fies vor sich hin lacht, wenn er sieht, wie da eine Armee versinkt. Hat er bestimmt von 1939 bis 1945 auch gemacht, so als „Film mit Überlänge“. Anstatt einzugreifen und zu sagen „So, jetzt ist aber mal gut. Schluss jetzt.“

Gleichbehandlung. Lassen wir mal beiseite, dass Gott die Frau angeblich aus einer Rippe erschaffen hat und daher die meisten Frauen heutzutage eine ebensolche Figur haben wollen. So, dass man alle Rippen zählen kann. Aber Gleichbehandlung, die gibt es bei Gott ebenfalls nicht. Da lässt er den Macho raushängen. Die Frau sei dem Manne untertan. Sie habe ihm zu dienen, der Mann habe immer Recht, und wenn sie gesteinigt wird, dann muss die Frau wahrscheinlich dazu noch ein lustig Liedchen trällern.

Wir sehen, ganz so perfekt ist dieser Gott auch nicht. Aber was will man auch verlangen.

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8 Kommentare »

  1. Das ist ja herrlich. Wenn ich das nächste mal gefragt werden, warum ich nicht an Gott glaube, antworte ich: Gott wollte es so! 😀

    Kommentar von Business Jabroni — 6. März 2011 @ 19:11

  2. Ich glaube auch, dass Karel Gott mit der ganzen Sache etwas überfordert ist.

    Kommentar von Frankie — 15. März 2011 @ 13:52

  3. Sehr geil….!

    Selten so viel Spass beim Lesen gehabt.

    😉

    Kommentar von Stephan — 16. März 2011 @ 13:04

  4. Also, obwohl man aus der Kirche ausgetreten ist, und Talent zum schreiben hat, sollte man trotzdem nicht die Wahrheit verdrehen:

    A) Du schreibst: „Wir lesen in der Bibel, dass Gott den Mann schuf, geschaffen nach seinem Ebenbilde. “
    FALSCH, denn „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ 1 Mose 1,27

    Nicht den Mann sondern den Menschen schuf er und auch nicht als sein eigenes Ebenbild sondern zum Bilde Gottes. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Wenn jemand etwas zu seinem Bilde erschafft ist dies keinesfalls sein Ebenbild.

    Das mit dem Ebenbild war jemand anderes, erinnere Dich:

    2Kor 4,4 den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.

    Das mit der Garantiezeit ist aber wirklich gut.

    Kommentar von Wohlan — 25. März 2011 @ 21:59

  5. Wie jetzt? Das widerspricht sich aber nun ein wenig in dem Kommentar. Gott hat die Menschen geschaffen zu seinem Bilde. Zu seiner Bildung wohl kaum. Ok. Aber schon im nächsten Absatz geht da gewaltig was schief. 2. Korinther, 4,4 sagt aus, dass Christus das Ebenbild Gottes ist. Christus war, so kann man das wohl unwidersprochen interpretieren, Gebimselsträger. Ergo keine Frau, sondern ein Mann. Und das Ebenbild Gottes. Daraus folgt, dass Gott ebenfalls als Mann gesehen wird. Oder ist Gott eine Frau mit wallendem Damenbart? Dann wäre Jesus, weitere Schlussfolgerung, als Ebenbild Gottes eine Dame mit Damenbart gewesen und die erste Lesbe auf Erden, wenn man sich an die Geschichte mit Maria Magdalena erinnert. Dann wiederum verstehe ich nicht, weshalb sich die Kirche so vehement gegen gleichgeschlechtliche Liebe stellt, hätte diese doch die eigene Galionsfigur bereits ausgeübt. Von den ganzen Verfehlungen der Pfarrer an ihren Ministranten mal ganz zu schweigen, die folgen dann ja offensichtlich nur dem Pfad ihres Herrn.

    Aber ich lasse mich gerne in meinem Zeitalter aufklären: was, bitteschön, bedeutet es dann, wenn ich etwas zu meinem Bilde schaffe? Etwa Mickey Mouse zum Bilde Walt Disneys? Eine Karikatur? Eine Überzeichnung? Ein unscharfes Abbild (hallo, Herr Heisenberg!)?

    Kommentar von nagelneuestestament — 26. März 2011 @ 13:05

  6. >> gerne in meinem Zeitalter aufklären:

    also, in einer sehr wörtlichen Übersetzung (http://12koerbe.de/arche/genesis3.htm#baum) aus dem hebräischen ins Deutsche heißt es:

    1 Mose 26 „… und es schuf Gott den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf er ihn, ….“

    Luther übersetzt „… schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn “

    Die erste Übersetzung sagt eigentlich aus das der Mensch als ein Teil von Gott erschaffen wurde, also in(nerhalb) des Bildes Gottes. (im Bilde Gottes) Wobei die Erscheinung Gottes ansich um ein vielfaches mehr umfasst als nur den Menschen. Kritiker nehmen logischerweise das Gegenteil an, das nämlich Gott ein (Teil) des menschlichen Geistes(Bildes), eine Erfindung sei!

    Bei Luther jedoch würde ich versucht sein zu sagen, Gott bildet sich durch den Menschen in der Welt ab. (zum Bilde) durch den Menschen ein Bild von sich in der Welt zeichnend! Dann wäre der Mensch jedoch auch nur der Erscheinung Gottes gleich. Und nicht Gott selbst.

    Ist der Mensch jedoch als ein Ebenbild von Gott erschaffen, wäre er selbst ein Gott, seinem Schöpfer ebenbürtig und unabhängig von ihm. (Das passt aber weder in die jüdische noch in die christliche Lehre, da genau das die Anmaßung des Menschen beschreiben würde) Der Mensch hätte eigene göttliche Aspekte, sozusagen in Konkurrenz zum eigenen Schöpfer. (Hier habe ich wirklich nicht abgeschrieben, nein wirklich nicht, ich bin nur der gleichen Meinung!) Das dies so manche Menschen ablehnen und für unsinnig halten, dem kann ich mich nur anschließen.

    Wie auch letztenendes Jeder für sich die Sache interpretiert, zeigt sich doch gerade dadurch wie groß das eigene Ego Anspruch auf Allmächtigkeit erhebt. Der Narzismus lässt grüßen. Ob man selbst nun diesem auch gerecht werden kann, ist unerheblich, denn die meisten leben nur durch ihren Anspruch den sie erheben und nicht dadurch diesem auch gerecht zu werden. (Aktuelle Behauptungen und tatsächliche Taten sprechen da politische Bände.)

    Um im Bilde zu sein, folgendes:

    In beiden Übersetzung steht einige Sätze zuvor: „bilden wir den Menschen in unserem Bild wie unser Gleichnis“ und „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei,“ Das bedeutet eigentlich das Gott den Menschen einzig als Bild vorgesehen hat, als ein Gleichnis, als ein Bild was ihm gleicht. Des Menschen Identität ist selbst nicht mehr als soetwas wie ein Konzept und nicht mehr! Nur ein Bild, eine Einbildung. So mancher Religionskritiker behauptet ja das eigentlich von Gott, das er eine Einbildung von Menschen wäre. Das Menschen oft ihre eigene Problematik auf andere projezieren scheint ja mittlerweile in der Psychologie Standardauffassung zu sein. Also ich finde das amüsant. Das was der Mensch für seine eigene Identität hält ist einfach nur eine fixe Idee. Heiße Luft.

    Ob nun ein Christ sagt: „Nein, der Mensch ist doch nicht mit Gott gleichgestellt oder ein Atheist sagt: Nein, einen Gott uns gleich das gibt es nicht, das wäre ein jämmerlicher, fehlerbehafteter Gott, wenn wir nach seinem Ebenbild erschaffen worden wären“ ist von Grund auf gleichbedeutend. Denn beide haben ein ähnliches Bild von der Unvollkommenheit der Menschheit und sind realistisch genug um sich auch selbst einem „gewissen“ Ideal verpflichtet zu sehen! Ja, so mancher Atheist ist Gott wohl näher als so mancher Religions-Hardliner.

    Also wenn es wirklich hart auf hart kommt und mir jemand die Pistole auf die Brust setzt und fragt: „Ist nun die Vorstellung von Gott eine fixe Idee oder die Vorstellung die der Mensch von sich selbst hat“, dann weiß ich wie ich antworten werde 😉

    Soviel zum Bilde und zum Ebenbild !

    Kommentar von Wohlan — 26. März 2011 @ 22:24

  7. Wohlan, richtig, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Noch mehr im Vorteil ist man aber, wenn man zusätzlich die Kommasetzung beherrscht und gelegentlich die Seite http://www.dass/das.de besucht. Viel Spaß mit dem „Amenmärchenbuch“.

    Kommentar von Frankie — 28. März 2011 @ 13:00

  8. @Frankie
    „Noch mehr im Vorteil … mit Kommasetzung ?“

    Ja, sorry, das hatte ich verschwiegen (aus gutem Grund)!

    Ich fühle mich sehr verstanden! Das meinte ich natürlich auch, mit „… die Vorstellung, welche der Mensch von sich selbst hat“ und „… einem „gewissen“ Ideal verpflichtet zu sehen“

    Danke, für den Hinweis!

    Kommentar von Wohlan — 28. März 2011 @ 14:11


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