Das nagelneue Testament

4. Mai 2010

Der Papst, die Wahrheit und das Internet

Filed under: Uncategorized — buchstaeblich @ 15:04
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Die Wahrheit wird reduziert auf ein Wechselspiel der Meinungen“, sagte Papst Benedikt XVI auf der Konferenz Digital Witness – einem von der italienischen Bischofskonferenz organisierten Einnordungsspektakel, mit einem ängstlichen Schielen auf das pöhse Internet, in dem ich ja nun auch wohne, und das kann ja nichts Gutes bedeuten.

Als Folge jankt er, dass „im Zeitalter der allgegenwärtigen elektronischen Kommunikation die Akzeptanz der Dogmen der Kirche sinkt“ – ooooooch!

Herr Ratzinger, welche Wahrheit? Die Wahrheit, dass Religion nichts weiter als Meinung ist, die per Definition Wissen gegenübersteht?

Gefällt es Ihnen nicht, dass Menschen nur noch auf ein paar Knöpfe drücken müssen, um Informationen zu bekommen und selbst denken, respektive sich ein Urteil bilden dürfen?

Das Internet sei von seiner Natur her egalitär und pluralistisch, sagen Sie, als sei dies ein Mangel. Gut, für Sie mag es einer sein, weil die Zweifler am Verbund der Ritualgymnastiker sich austauschen und tiefere Einblicke in die dunklen Falten der Kutten bekommen, oder auch auf Widersprüche treffen, wie das seltsame Gebaren des Erzbistums Freiburg, dass gegen den Kirchenrechtsprofessor Zapp vor Gericht gezogen ist, weil der zwar Katholik sein, aber keine Kirchensteuer zahlen will.

Wer nicht zahlen will, muss sich auf Antrag exkommunizieren lassen und kann deshalb – folgt man den Ideen Ihres Männerklubs – nicht in den Himmel kommen. Ui, da hat man aber Angst! Ist es doch so:
Stimmten die Sünder-bleiben-draußen-Himmelsideen, kämen Sie und Ihren doch ohnehin nicht hinein (oder wollen Sie ernsthaft behaupten, Leute die Kinder schänden oder Kinderschänder decken, würde Ihr Fabelwesen in sein von Ihnen behauptetes Nachtod-Feriencamp holen?) – man muss also damit rechnen, im (wir tun mal so!) Fegefeuer neben einem Kuttenträger vor sich hin zu schmoren und befürchten, dass der einen vollbetet – das ist die wahre Drohung gegen Leute, die keine Eintrittskarte fürs Halleluja-Wolkenhausen lösen mögen, weil sie obendrein wissen, dass sich der Würmerfutter-Zustand nicht schönglauben lässt – uiuiui – selten so gegähnt!

Andererseits kann aber die Taufe wegen von der Kirche selbst definierter Irreversibilität nicht rückgängig gemacht werden. So versucht man, Abtrünnige zu ärgern, ohne darüber nachzudenken, dass sie einem trotzdem innerlich wie äußerlich den Stinkefinger gezeigt und das Geld entzogen haben:

Ätschbätsch, immer zweimal mehr wie Du, gell, Herr Ratzinger?

Zurückgeätscht: Weil das Internet so schön ist, werden wir es weiterhin fleißig nutzen und vollschreiben mit lästigen Fragen, gemeinen Fakten, fiesen Tatsachen und echten gedachten Gedanken.

Da können Sie noch so beten, das Internet kriegen Sie jedenfalls nicht mehr aus der Welt. Und die denkenden Menschen auch nicht – wir werden nämlich immer mehr, obwohl wir selbst entscheiden, ob, wann, wieviele und mit wem wir Kinder kriegen – das, mein lieber Herr Ratzinger, sollte Ihnen zu denken geben.

Und kommen Sie mir bloß nicht mit Shakespeare und dem berühmten Hamlet-Zitat von wegen „Dinge zwischen Himmel und Erde…“: Das habe ich höchstpersönlich widerlegt!

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6 Kommentare »

  1. […] } …. nämlich hinüber zu Das nagelneue Testament, wo heute die Musik […]

    Pingback von Papstinteressierte werden durchgewinkt « Buchstaeblich seltsam! — 4. Mai 2010 @ 15:09

  2. Eigentlich ein ernstes Thema. Aber bei „Nachtod-Feriencamp“ hat es mich fast zerrissen! Ein dreifach Hoch der buchstaeblich, dem Sanitätsgefreiten Neumann und allen anderen normal denkenden Atheisten!

    Kommentar von Frankie — 4. Mai 2010 @ 15:25

  3. Im Nachthemd umherflattern und Hosianna rufen – das mochte ja nicht einmal „Ein Münchner im Himmel“ – und der war immerhin Bayer:
    http://www.myvideo.de/watch/2409288/Ein_Muenchner_Im_Himmel

    Aber im Ernst: Egal, welche Vorstellung von „Jenseits“ man betrachtet, das ist alles gruselig! Würmerfutter sein und vor sich hinverwesen ist da wesentlich atttraktiver. Und realitätsnah.

    Kommentar von buchstaeblich — 4. Mai 2010 @ 16:01

  4. Die Vorstellung nicht in den Himmel zu kommen finde ich äusserst beruhigend, ist doch gruselig ewig leben zu müssen!

    Kommentar von verhaltensoriginell — 6. Mai 2010 @ 12:56

  5. Vor allem mit der Feinstaubbelastung durch isländische Vulkane!

    Kommentar von nagelneuestestament — 7. Mai 2010 @ 08:55

  6. Genau! Der Eierflädejokurt macht den Grauschleier in Engelhemdchen – das will man doch nicht.

    Kommentar von buchstaeblich — 7. Mai 2010 @ 14:37


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