Das nagelneue Testament

12. April 2010

Von alten und neuen Vätern

Filed under: Das neue Alte Testament — buchstaeblich @ 18:52
Tags: , , , , ,

Wollte ich nicht auf Väter zurückkommen – oder besser: Auf eine bestimmte Sorte Väter?

Nun, was Adam angeht: Väter sind auch kacke.
Dumpfbacke Eva kann ja nicht allein schuld am Elend von Kain und anderen Kindern in der Welt sein. Das hätte sie allein gar nicht geschafft und zweitens war sie ja auch nicht allein.

Adam war genau wie sie ein unerzogenes, also nicht erzogenes Kind, das nichts gelernt hatte als nackt durchs Gebüsch zu krauchen und illegale Räusche aus dem Stechapfel zu genießen.

Ein Ritt auf der Zeitmaschine würde uns wahrscheinlich zu einem total verstörten jungen Mann führen, der fassungslos hinabblickte auf das knittrige, schmierige Wesen, das aus dem Teil seiner Eva flutschte, in dem er sich sonst seinen höchsten Wonnen hingab.

Nun war er also da, der kleine Kain, und Eva hatte plötzlich viel weniger Zeit für Adam. Er selbst hatte auch keine Zeit mehr, denn er musste nun allein losziehen, um genügend Futter für sich und und die stillende Eva einzusammeln. Welch Frust!

Der ganze Spaß war nun vorbei, und das alles nur wegen diesem schreienden Winzling. Logische Schlussfolgerung: Kain war schuld an seinem Elend und dem ganzen Stress. Eva nörgelte, Kain brüllte und der sich stets verpissende Ernährertyp war erfunden.

Stammkneipen waren damals allerdings noch nicht erfunden, sonst wäre Adam der erste Stammgast der Geschichte geworden. Bierfilze für insgeheim vergossene Männertränen waren auch noch nicht erfunden, also hätte all das auch nicht viel geholfen.

Doch dass sich all dies auf das Verhalten Adams gegenüber seinem Erstgeborenen ausgewirkt haben muss, liegt auf der Hand.
Die Idee, Kain zum beschwerlichen Bauerndasein zu drängen, wird also aller Wahrscheinlichkeit nach ein Racheakt Adams für die Mühen mit der Ernährung der Kleinfamilie gewesen sein. Gleichzeitig natürlich auch der Weg zu mehr Bequemlichkeit, denn Bauer Kain sorgte fortan für Beifutter.

Adam hatte Landwirtschaft ja nicht drauf, sonst würden die Legenden das vermelden. Wie man sieht, ist der Prototyp der Eislaufeltern schon früh in der Meschheitsgeschichte aufgetreten: Immer schön Druck machen, dann kriegen die Kinder schon hin, was man selbst nicht gebacken bekommen hätte, und dann ordentlich mit profotieren. Wer sollte es schließlich später einmal besser haben? Man selbst.

Mitgefühl für den Sohn hatte Adam offensichtlich keines – warum auch? Er hatte den Balg ja nicht haben wollen. Und dass Kain litt, hat er geschmeidig übersehen. Denn ein wenig Schulterklopfen und Trost oder Lob für den Buben kommt in den Schilderungen des Herrn Moses definitiv nicht vor.

Aber jedem durchschnittlich begabten Küchenpsychologen dürfte spätestens ab hier sonnenklar sein, dass genau das Kains Ausbruch und den daraus resultierenden Brudermord hätte verhindern können. Da braucht es nicht einmal Freud, da genüggt ein Minimum an Herz.

Als Kain sich der Legis-/Judi-/Exekutive in Personalunion des selbsternannten Herrn Gott ausgesetzt sah, war sein Vater weder beistandleistend in der Nähe noch hat er auch nur ansatzweise versucht, seinen Sohn zu beschützen, wie es sich eigentlich im Rahmen von einwandfreier Brutpflege gehört hätte.

Die Katastrophe, den einen Sohn durch dessen Ableben zu verlieren, obendrein wissend, dass sein anderer Sohn dessen Tod herbeigeführt hatte und letzteren dann auch noch durch das bereits bekannte Gerichtsurteil zu verlieren, hat bei Adam nicht die Glocke der Erkenntnis klingen lassen.

Der merkte gar nichts, ging zu seiner Eva als wäre nichts geschehen, und statt zu trauern und Vergangenheitsbewältigung zu leisten, wurde munter drauflos gepoppt – wie sonst hätte Eva ihm das Kuckucksei unterjubeln können?

Wenn man mich also fragt: Väter sind Kacke.

Außer, wenn wir nach Henoch schauen. Henoch ist die Stadt, die Kain nach seinem Abflug mit der von ihm gefundenen Frau gründete. Und nach seinem erstgeborenen Sohn benannte: Das, liebe Leser, nenne ich einen stolzen Papa! So zeigt man Liebe.

Erstaunt es immer noch, dass die Nachfahren Kains kreative, fleißige und erfolgreiche Leute wurden? Jaha: Stolze, liebende Eltern bringen toughe Kinder hervor. Ist eigentlich ganz einfach, oder?

Eigentlich hätten die Nachfahren Kains in den Legendensammlungen viel mehr Ruhm, Ehre und Beachtung verdient. Doch leider verliert sich ihre Spur mit der Erwähnung eines Ururenkels namens Lamech, der – zugegeben – ein wenig zu stolz auf die Kette seiner Ahnen zurückblickt, aber wir wissen nicht, wie seine Frauen ihn genervt hatten, als er große Töne spuckte. Nu ja.

Wenn man mich mal fragen würde, wüsste ich schon mein Befremden darüber kundzutun, dass der Schreiber, genannt Moses, die 2. Linie Adams viel spannender findet und sich seinen Nachkommen in epischer Breite widmet: Endlose Aufzählungen von Generationen von Nachfahren, die ihr Lebtag nichts Aufregenderes taten als viele Jahre zu atmen und noch mehr Kinder zu zeugen, ohne dass sich weitere Leistungen ereignen, bezeugen keinesfalls intellektuelle oder sonstige Entwicklungen.

Wenn ich demnächst mal Zeit habe, schaue ich im meistverkauften Bestseller nach, ob ich Moses Abstammung irgendwo finde – der Depp.

Auf jeden Fall ist besagter Moses ein (oder viele) Autor(en), der keinen ordentlichen Job geleistet hat.
Meine Schuld ist es schließlich nicht, wenn die dürftigen Schilderungen einen derart großen Interpretationsspielraum bieten, oder?

Wenn man mich also fragen würde: Moses ist auch kacke.

In der nächsten Folge widmen wir uns dem eigentlichen Drahtzieher dieses Dramas. Dem so genannten Herrn Gott.

Was vorher geschah:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

Advertisements

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: