Das nagelneue Testament

12. April 2010

Ostern und die Sache mit den Eiern

Filed under: Das neue Alte Testament — nagelneuestestament @ 12:28
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Ostern kennen wir ja alle. Einmal im Jahr sind zwei Wochen Ferien, die Blümchen pressen sich gleichzeitig aus der Erde und die Temperaturen erreichen gerade mal wieder zweistellige Werte. Papa ist endlich wieder nüchtern nach Karneval, Mama schwanger und Oma mit posttraumatischer Winterdepression im Heim. Das ist Ostern. Doch woher kommt das?
Im großen Märchenbuch wird geschrieben, dass der Hauptdarsteller es sich ganz schön mit der Obrigkeit verschissen hatte. Erregung öffentlichen Ärgernisses wurde damals nicht, wie heute, mit einer Geldstrafe von 500 Euronen belegt, da es damals noch keine Euronen gab. Man zog es eher vor, solche Kandidaten zur Abschreckung festzunageln. Später gab es eine light-Version am Rathaus, die nannte man Pranger. Aber bis dahin war noch ein wenig Zeit und genug Nägel vorhanden. Jedenfalls begab es sich, dass der Protagonist, ein arbeitsloser, aber großmäuliger Holzbearbeitungsfachmann, eines Tages den Bogen überspannt hatte. Gründung einer kriminellen Vereinigung, Aufwiegelung zum Staatsstreich, Hausfriedensbruch, unversteuerte Spendensammlungen, Vorschussbetrug durch Vorspiegelung falscher Tatsachen und Versprechungen (das gibt es aber mit Jungfrauen heute noch in anderen religiösen Splittergruppen) und einige weitere Straftaten wurden ihm vorgeworfen. Leider ist nicht überliefert, ob darunter auch Missbrauch Schutzbefohlener oder vorschulische Einführung in die ehelichen Pflichten waren, die heutzutage noch von einer größeren, exklusiven Männerfangruppe praktiziert werden.

Und so entschied man sich, ein Exempel zu statuieren und die Haltbarkeit der von ihm verwendeten Materialien auf Herz, Nieren, Hand- und Fußflächen zu testen. Schnell war eine publikumswirksame location gefunden, Eintrittskarten gedruckt und Flyer verteilt. Als Vorgruppe wurden einige Unbeteiligte probegekreuzigt, ehe man zum Hauptdarsteller kam. Da damals in Jerusalem und Umgebung bereits die Juden und Araber das Sagen hatten, entschloss man sich, das Spektakel am ersten freien Tag der Arbeitswoche, dem Freitag (daher auch der Name), zu veranstalten. Somit konnte auch die arbeitende Bevölkerung teilnehmen, ohne extra Urlaub einreichen zu müssen. Schließlich wurde ja im wahrsten Wortsinn eine Hammerparty angekündigt, nageln, bis der Schreiner kommt. Und der Hauptgewinner sollte dann auch noch gekrönt werden. Jesus jedenfalls hatte es sich anders vorgestellt, als er die Einladung von Schantalles Nagelstudio in den Händen hielt, die ihn nach Golgatha einlud. „Getränke frei!“ stand da, aber damit war es später Essig.

Jedenfalls machte man mit dem Schreiner kurzen Prozess, etwa vier Wochen kürzer als die Erstellung eines Angebots bei ihm normalerweise dauert. Und kreuzigte ihn mal schnell öffentlich. Da es aber, wie wir ja oben schon lesen konnten, zum Frühlingsanfang immer noch etwas kühl war und zwecks höherer Trefferquote die Kleidung entfernt war (man erhoffte sich Zusatzeinnahmen durch den Verkauf von Devotionalien. Ein ungenannter Tuchhändler aus Turin soll dabei eine ziemliche Investition getätigt haben), froren Jesus nach längerer Abhängzeit die Eier ab. Das gab so einen ungesunden Blaulilaton. Zusammen mit dem Blutrot aus den Nagellöchern und dem Grün aus der Nase – bei 9 Grad im kalten Wind hängen ruft ja geradezu nach einer Erkältung mit eitrigen Mandeln – kam so eine schicke Farbpalette zusammen. Und so kam es, dass Steve Jobs sich dachte „Ei, was mach‘ ich denn mit solchen Farben?“ und somit schnell das Oster-i erfand. Später noch iPhone, iPod und iGernordwand, aber das ist eine andere Geschichte.

Jesus indes wurde abgehängt, nachdem offiziell sein Tod verkündet wurde. Ob er es wirklich war oder als alter Hypochonder dies nur simulierte, sei einmal dahingestellt. In Ermangelung hochmoderner Kühlräume in einer nahegelegenen Pathologie brachte man ihn erst einmal nach Gorleben ins Zwischenlager. Kein Wunder, dass er da flüchtete, hieß das Lager ja auch nicht Gortod. Jedenfalls wollte man ihn am Sonntag, dem ersten Arbeitstag in der arabischen Woche, zur Untersuchung abholen, aber Pustekuchen. Wie ein verängstigter Osterhase hatte er sich aus dem Staub gemacht, wollte er nach der behämmerten Nagelung nicht auch noch fachmännisch unter seinen Jüngern aufgeteilt werden. Damals gab es ja noch keine schnittigen Pathologinnen, sonst wäre er vielleicht geblieben.

So allerdings tauchte er unter falschem Namen als Jopi Heesters unter und ging ins holländische Exil. Dort war das Land so flach, dass es ständig von der Nordsee überflutet wurde und er, mittels selbstgezimmerter Holzschuhe, noch Jahrhunderte das Übers-Wasser-Laufen simulieren konnte.

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11 Kommentare »

  1. Jesus hatte Eier? Dachte immer, in seiner Familie pflegt man durch Parthogenese zur Welt zu kommen – wozu brauchts da Fortpflanzungsorgane ..?

    Kommentar von noemix — 12. April 2010 @ 13:31

  2. Zum Reintreten, Herr Noemix, zum Reintreten!

    Steve Jobbs nervt mich übrigens schon lange mit Anfragen für dieses Patent:
    http://buchstaeblich.wordpress.com/2008/10/01/neues-vom-suchmaschinenriesen/

    Aber ich denke nicht, dass ich ihm den Ei-Fön überlasse. Nachdem er diese dusslige iTablette bauen ließ – so ein großes Ding kann doch niemand runterschlucken.

    Kommentar von buchstaeblich — 12. April 2010 @ 13:58

  3. Herr Nömix, wenn ich Parthogenese richtig verstanden habe, dann ist das ja die Teilung unbefruchteter Eizellen. Im Falle von Jesus würde man da heutzutage eher von Hodenkrebs sprechen, oder nicht?

    Kommentar von nagelneuestestament — 12. April 2010 @ 20:59

  4. Eine Übersetzung des Märchenbuches, sehr schön 🙂 und würde sie den Jungendlichen heute so verkauft werden, wären sie sicherlich begeistert.

    Mir persönlich erstaunt die Farbgebung im dritten Absatz. Da spricht wohl der Fachmann.

    PS: Der Jopi lebt immer noch – nicht wahr?

    Kommentar von Wandlerin — 12. April 2010 @ 21:53

  5. Der und der alte Holzmichel.

    Kommentar von buchstaeblich — 13. April 2010 @ 13:46

  6. Lieber Herr Geschichtenerzähler oder wie Sie heißen,

    da ich iPhone, iPod schon habe bitte ich um die URL eines I-shops wo ich – zur Vervollständigung meiner gadgets die „iGernordwand“ zu kaufen bekomme ….

    Vielen Dank für ihre Bemühungen.

    Kommentar von wvs — 16. April 2010 @ 14:38

  7. wvs,
    in Vertretung für den nicht anwesenden Geschichtenerzähler namens nagelneuestestament:
    für iGernordwand sind Sie noch nicht autorisiert. Sie müssen zuerst den iFön erwerben.
    😉

    Kommentar von buchstaeblich — 16. April 2010 @ 16:18

  8. @ buchstaeblich

    das ist aber sehr bedauerlich – ich dachte iPhone sei dasselbe wie iFön, also doch kein Druckfehler ….

    Kommentar von wvs — 16. April 2010 @ 23:07

  9. Nur, weil aus beidem heiße Luft kommen kann? Tststs.

    Kommentar von buchstaeblich — 19. April 2010 @ 14:04

  10. Da drängt sich mir die Frage auf: Was mit dem iPott ist?

    Kommentar von Wandlerin — 21. April 2010 @ 13:09

  11. Den iPott braucht man natuerlich, um die iEr zu faerben. Oder kochen. Oder beides.

    Kommentar von nagelneuestestament — 21. April 2010 @ 14:00


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