Das nagelneue Testament

6. Februar 2009

Aufklärung tut not: Das Eva-Gedöns

Filed under: Das neue Alte Testament — buchstaeblich @ 12:24
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Mütter haben Macht. Was Macht angeht, sind Mütter nämlich härtere Brocken als Gott. Auch wenn sie keine Universen erschaffen können, wie es der gemeine Durchschnittsgott so drauf hat. Denn während Götter sich damit begnügen, Welten zu produzieren, werden Frauen schwanger und verwandeln sich in Mütter.
Das KANN gut gehen.

Kann-Regelungen sind aber etwas anderes als Naturgesetze.
Äpfel fallen vom Baum aus nach untern. Immer.
Einen Ersatz-Newton für erfolgreiches Muttersein hat die Evolution leider nicht hervorgebracht.

Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit:
Wenn wir der Anekdotensammlung unseres Kulturkreises glauben wollen, war Eva die erste aller Mütter, und damit begann das längste Drama der Welt. Frisch der Pubertät entsprungen ist sie mit ihrem Gefährten Adam durch die Büsche gehüpft und hat bewusstseinserweiternde Pflanzen genascht, statt in der Schule zu sitzen und sich auf den Ernst des Lebens vorzubereiten. Vielleicht wäre mit Ernst alles anders gekommen. Aber es gab halt auch noch keine Schule damals. Und auch Ernst war noch nicht erfunden.

Wir lernen hieraus, dass es Hippies nicht erst seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gab und dass unkontrolliertes Gepoppe in zugedröhntem Zustand schon in grauer Vorzeit schlechte Sozialisationsbedingungen geschaffen hat.

Wenn eines Tages endlich Zeitmaschinen zur Verfügung stehen, werden wir wahrscheinlich kopfschüttelnd beobachten können, was seinerzeit passierte:

Eine bildungsferne Teenie-Mom war völlig überfordert mit dem kleinen Wesen Kain, das da aus ihrem Unterleib gekrochen kam. Plötzlich war alles anders und überhaupt nicht mehr paradiesisch, weil sie sich um das schreiende Bündel kümmern musste, das gesäugt werden wollte und jede Menge Stoffwechsel betrieb, was olfaktorisch nicht unproblematisch war. Da saß sie also, während Adam seinen Vaterpflichten nachkam und sich täglich verabschiedete um allein Nahrung einsammeln zu gehen.

Man muss weder Psychologe noch Super-Nanny sein um zu wissen, dass diese Konstellation verhängnisvoll war. Die Erben Adams und Evas können wir noch heute jeden Mittag in den Talkshows von Britt und Olli sehen. Denn wie jeder, der ein Elend hat, musste auch Eva einen Schuldigen für die Katastrophe finden. Und weil dem Mädel damals einfach noch nicht klar war, wie die Babys in den Bauch hineinkommen, aus dem sie später kriechen, zog sie den einfachsten aller Schlüsse: Kain ist schuld, denn seit der da war, war der ganze Spaß vorbei.

Einen Therapeuten, mit dem sie diese Problematik hätte aufarbeiten können, gab es damals noch nicht. Aber der hätte auch direkt nebenan in „Garten Eden 21 a“ wohnen können, das hätte nichts genützt. Kain und Abel wohnten zwar nicht mehr im Garten Eden, denn sie hatten gegen die Hausordnung verstoßen, aber weit waren sie ja nicht gekommen. Für den Gang zum Therapeuten aber braucht es zumindest soviel Grips, das Vorhandensein eines Problems erkennen zu können. Die Erkenntnis war allerdings trotz aller Drogen noch nicht erfunden. Nun, dieses Problem hat die Evolution ja bis heute nicht ausgemerzt, sonst hätten Britt und Olli jetzt sicher ein mittelschweres Hartz IV-Problem.

Dank Teenie-Mom Eva wuchs der kleine Kain jedenfalls mit einem Schuldkomplex und mangelndem Selbstwertgefühl auf und die bald folgende Geburt von Brüderchen Abel hat die Welt für den Erstgeborenen gewiss nicht rosiger erscheinen lassen. Die ohnehin gestörte Mutter-Sohn-Bindung litt fortan durch den steigenden Mangel an Zeit und Energie, die für das neue Baby draufgingen. Eifersucht und Wut gesellten sich also wie selbstverständlich auf Kains Gefühlspalette zu undefinierbaren Schuldgefühlen, das kann man gänzlich diplomfrei an den Fingern einer Hand abzählen, selbst wenn man beim Ferienjob im Sägewerk ein paar davon verloren haben sollte.

Mehr davon demnächst.

Was vorher war.

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3 Kommentare »

  1. Das habe ich so noch gar nicht gesehen. Der Blickwinkel ist sicherlich interessant. Da haben wir neulich noch in der Firma drüber diskutiert.

    Kommentar von Idamarie Seitz — 17. März 2010 @ 14:08

  2. Tatsächlich? Welchen Blickwinkel speziell? Hier sind ja mehrere enthalten.

    Kommentar von buchstaeblich — 19. März 2010 @ 17:55

  3. […] Das nagelneue Testament, Das neue Alte Testament, Elternschaft, Eva, Kain, Psychologie Ging es im vorigen Teil des neuen Alten Testaments um eine überforderte Urmutter Eva (hätte es damals schon Fenseher und […]

    Pingback von Kain Spaß, Abel lustig! « Das nagelneue Testament — 9. April 2010 @ 12:08


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