Das nagelneue Testament

22. Januar 2009

Das vergessene Buch

Filed under: Dritter Teil — nagelneuestestament @ 10:21

Eigentlich ware die Bibel ja um Einiges dicker, hätten die katholischen Knierutscher nicht damals, im Mittelalter, einfach einige Seiten rausgerissen und auf immer und ewig verbannt. Schon damals war es teuer, Mönche zum Abschreiben der Geschichten und Märchen zu knechten, aber auch in Zeiten ders ersten Buchdruckes schaute man aufs Geld.

Das vergessene Buch wurde als Evangelium von Kevin-Thomas geschrieben. Genau, dem ungläubigen Thomas, der an anderer Stelle in der Bibel querreferenziert wird. Oder gibt es etwa ein Evangelium des Kevin-Thomas? Der hatte es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, Geschichtchen für eine recht große Gruppe zu verfassen und auf Papier zu bringen, nämlich für die Vertreter seiner Glaubensrichtung, die Ungläubigen. Ungläubige glauben nämlich nicht an die Alleinherrschaft eines Gottes, der, wie im vorherigen Artikel beschrieben, übrigens eine Frau ist. Sie glauben auch nicht, dass es einen rechtmäßigen Vertreter dieser Frau in Rom gibt, der ebenfalls, als Mann, in Frauenkleidern durch die Gegend wackelt. Und sie glauben nnicht, dass man Sonntags sein hart verdientes Geld bei einem Gruppenhappening mit seltsamer Musik und alten Menschen zusammen verschenken sollte. Vor allen Dingen sind sie sich sicher darüber, dass nicht diese seltsame Frau namens Gott sie aus einem Klumpen Dreck in einem Selbstfindungskurs auf Gomera getöpfert hat, sondern dass sie ein mehr oder weniger fehlgegangenes Evolutionsexperimentsergebnis sind.

Diesen Menschen nun hat Kevin-Thomas ein ganzes Buch gewidmet. Das mit der alternativen Entstehungsgeschichte aus mutierten Einzellern beginnt, über Dinosaurier und Fehlentwicklungen weitergeht, den Homo Heidelbergensis ebenso einschließt wie den Homo Australicus und schließlich in der damals aktuellen Zeit der wirtschaftlichen und politischen Starthilfe durch die Besatzer UNO-Friedenstruppen, gestellt durch die Römer, endet.
In diesem Buch wird erstmalig auch erwähnt, dass der durchgeknallte Prediger, der sich als Gottes Sohn ausgab, in Wirklichkeit ein Ergebnis schief gelaufenen Coitus Interruptus war, Maria sich allerdings gegenüber ihrem strengen Vater nicht traute, dies zuzugeben. Da der Alte eh ein wenig schwer von Begriff war, erzählte sie ihm die Story von der unbefleckten Empfängnis, worüber auch Josef ziemlich froh war, hätte er doch mit Steinigung rechnen müssen, zumindest aber mal mit kräftig Aua durch Marias Brüder. Denn die schreckten damals auch nicht vor Ehrenmord zurück. So was soll sich ja bis in die heutige Zeit noch überliefert haben, hört man.Besonderes Augenmerk richtete Kevin-Thomas auch auf die damals aufkommenden Homöopathen, die Heilung durch Verabreichung von Wüstensand empfahlen. Er konnte zweifelsfrei nachweisen, dass die Erfolgsgeschichten allesamt erfunden waren. Denn nur erfolgreich Behandelte können natürlich von den Wundern berichten, die nicht so Erfolgreichen wurden spätestens nach zwei Tagen bestattet, weil sie so seltsam zu riechen anfingen. Beispielsweise der eine Mensch, der sich unachtsamerweise bei seiner Flucht aus dem Schlafzimmer einer verheirateten Römerin, ihr Mann kam gerade vom Nachtdienst heim, während er gerade bei seinem Nachtdienst kommen wollte, barfuß durch die Dornenhecke die Füße verstach. Fortan beanspruchte er für sich den Titel des Lahmen. Und dieser Jesus kam nun und zog einfach die Dornen wieder raus, was der Pienzer selbst nicht wollte. Fragen hätte er auch niemanden können, denn jeder hätte wissen wollen, weshalb er sich die Dornen da so zahlreich eingetreten habe, schließlich seien die ja groß, schmerzhaft und außerdem vermeidbar. Jeder hätte sofort gewusst, was Sache ist, da nur die Römer Rosenbüsche um ihre Häuser pflanzten. Und so kam es eben zu dem Gerücht, Jesus könne Lahme wieder zum Gehen bringen.

Ähnlich ging es da dem Impotenten, der in Palästina den ganzen Tag nur rumhing. Während Jesus angeblich Lahme zum Gehen bewegte, war es hier eher Maria Magdalena, die Schlaffende wieder zum Stehen brachte. Abgeschaut hatte sie es sich aus einer Papyrusrolle über Wiederbelebung, in der recht ausführlich über das Einblasen von Luft doziert wurde. Und was beim ganzen Menschen funktionierte, sollte doch nicht so schwer bei einem Teil davon zu kopieren sein. Maria Magdalena hatte danach noch lange die Schnauze nicht voll und bekam mehr und mehr Zulauf durch ihre Mundpropaganda, ihrem ersten Patienten aber stand die Behandlung gut. Zu Gesichte. Da man aber nicht wollte, dass Maria Magdalena einen ähnlichen Karriereverlauf wie Jesus haben soollte, damals ahnte man ja noch nicht, wie die Geschichte ausgehen sollte, schrieb man diese Wunderheilungen alle ihm zu. Patriarchalische Welt eben.

Auch die Speisung der Fünftausend war so eine Sache, die so nicht stattgefunden hatte. Ein Fisch und ein abgerissener Fladenbrot streifen wurden da medienwirksam als Grundlage der Speisung hingestellt, in Wirklichkeit aber, und dafür hat Kevin-Thomas die Originalquittungen vorliegen, wurde Jesus von Nazareth gesponsort, einer Rockgruppe, die ihn damit im Rahmen des Merchandising dazu überreden konnte, ihren Namen mit seinem zu verbinden. So wie Daimler und Chrysler, Fix und Foxi, Waldorff und Astoria, Castrop und Rauxel oder auch Käse von Dü. Brot und GitarrenSpiele war da das Motto, ein Konzept, das man in Rom später übernahm, nicht ohne die Vorgänger von Siegfried und Roy zu implementieren. Katzencontent bringt nämlich Zuschauer.

Aber wir kommen vom Thema ab. Kevin-Thomas vertrat ja, wie bekannt, die Ungläubigen, diejenigen, die sagen: wenn ich Erfolg habe, liegt es daran, dass ich mich angestrengt habe. Und nicht: da hat mir Gott einen Schubs gegeben. Denn Gott schubst nicht mal so, sollte es sie wirklich geben, Gott hätte viel zu schubsen bei sechs Milliarden Menschen. Ungläubige sagen auch: wenn mir ein Unglück passiert, dann eben, weil ich zu doof war und nicht aufgepasst habe. Oder eben der Idiot nicht aufgepasst hat, der mir ins Auto geklatscht ist. Und sie sagen nicht: das war Gottes Wille, weil ich mir beim letzten Duschen verbotenerweise am Pillermann rumgespielt habe. Oder unzüchtige Gedanken beim Anblick der scharfen Nachbarin aus der Dachwohnung hatte. Das Spielen und die Gedanken sind natürlich, unter Berücksichtigung physischer und psychischer Unterschiede, auch auf weibliche Nichtgläubige anzuwenden. Auch für diese ganzen Geschichten mit „göttlichen Eingebungen“, auf die sich so mancher Präsident beruft, haben sie kein Verständnis. Sie sehen das einfach als schwer widerlegbare Argumentation von Menschen, die ihren Willen, sei er auch noch so schräg, unbedingt durchsetzen wollen. Und dabei kann Gott in deren Augen auch schon mal Massenvernichtungswaffen aus dem Wüstensand auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen. Oder Wahlmaschinen manipulieren. Oder Finanzkrisen auslösen.

Die Ungläubigen haben gegenüber den Gläubigen auch einen weiteren Nachteil: sie bauen keine Häuser zur Anbetung ihres nicht existenten Gottes, da sie ja an keinen oder auch keine glauben. Somit sind sie Schmarotzer, die dem darbenden Baugewerbe nicht die notwendige Aufmerksamkeit und Geldspenden darbringen wie beispielsweise Christen mit ihren Kirchen, Muslime mit ihren Moscheen, Fußballer mit ihren Stadien und Hindus und Buddhisten mit ihren Tempeln. Keine Innenausstatter benötigen sie, keine Orgelbauer, keine Statiker für hohe Türme und große Kuppeln. Ein totaler, wirtschaftlicher Missgriff.

Und so entschieden sich die römischen Faltentransen, dass solch ein unwirtschaftliches Verhalten gestraft gehört und verbannten kurzerhand diesen wichtigen Teil der Bibel aus den bereits druckreifen Exemplaren. Zensur zur Erhaltung des Spendenflusses.

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4 Kommentare »

  1. Was soll ich sagen?! Das ist schlichtweg genial 🙂 Super geschrieben, mit einem unglaublichen Humor und saumäßig einfallsreich. Ab in den Feed-Reader damit 😉

    Kommentar von Boff — 29. Januar 2009 @ 21:24

  2. Hab mich köstlich amüsiert über Ideen und Schreibweise, daher kams sofort als Empfehlung in mein blog.
    Ich glaube….ähhh…nehme an, es gibt bald reichlich Jünger zur Verbreitung, was ich glaube ist ne andere Geschichte 😉

    Kommentar von Gabriela — 30. Januar 2009 @ 12:13

  3. Ach? Am Pillermann rumspielen ist gar nicht verboten? Und in die HölleHölleHölle muß ich dafür auch nicht. Yippie!

    Kommentar von rolandschwarzer — 30. Januar 2009 @ 16:50

  4. Bitte setzen in obigen Kommentar noch „in“ und „ich“ ein. Egal an welcher Stelle. 🙂

    [edit sagt]: sogar noch ein „die“ war im Preis enthalten!

    Kommentar von rolandschwarzer — 30. Januar 2009 @ 16:52


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