Das nagelneue Testament

21. Januar 2009

Die große Flut – Noahs Riverboatshuffle

Filed under: Erster Teil — nagelneuestestament @ 14:41

Die Jahre gingen ins Land und die Menschen vermehrten sich wie die Karnickel. Gott hatte zwar mal einen Spruch in Richtung „Seid fruchtbar und mehret euch“ losgelassen, aber nicht damit gerechnet, dass die Menschen sich auch wirklich so penetrant daran hielten. Außerdem hatten sie wohl legasthenische Anfälle, denn sie waren wohl auch furchtbar.

Immer wieder gab es Zankereien und Kriege, meist ausgelöst durch Neid und Gier. Andere Länder, andere Frauen, mehr Vieh, Lebensraum im Osten, größeren Einfluss, dickere Eier. Alles Gründe genug für die Menschheit, mal wieder schnell einen Krieg vom Zaun zu brechen und sich gegenseitig niederzumetzeln. „Gut“, dachte sich Gott, „mit den Kriegen kriegen die ja ihre Anzahl schon geregelt, diejenigen, die nachgeboren werden, sind zwar nicht intelligenter als ihre Vorfahren, jedoch aber auch zahlenmäßig nicht so viele, dass ich mit einer Überbevölkerung rechnen muss.“ Nun hatte Gott allerdings nicht damit gerechnet, dass manche der von ihr erschaffenen Menschen über eine geradezu göttliche Libido verfügten, da war ihr bei der Verteilung von Intelligenz und Libido der Löffel wohl einmal zuviel ins falsche Töpfchen geraten.

Und so geschah es, dass es Ecken auf der noch recht unentdeckten Welt gab, die ziemlich schnell von einer Menge Menschen beansprucht und bewohnt wurden. Nur waren diese Menschen zu blöde, sich einmal per Schiff auf den Weg zu machen, um beispielsweise Amerika zu entdecken. Und weil es so viele waren, wir kennen das ja von den Stränden in Spanien, Frankreich und Italien im August, hörten die Streitereien dort auch nie auf.

Nun war Gott allerdings von der Schöpferei der vergangenen mehreren hunderttausend Jahre und den ewigen Auseinandersetzungen mit den Nachkommen von Adam und Eva ein wenig müde geworden und wollte sich zum Mittagsschläfchen hinlegen. Kaum hatte sie sich zum Matratzenhorchdienst aufgemacht, ging das Gezetere auf der Erde los. „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, meine Frau, mein Sohn, meine Tochter…“, das ganze Programm eben. Tausendfach, immer wieder die gleiche, alte Leier. Dazwischen dann noch die Schlägereien, das Hauen und Stechen und das Geschrei, wenn es mal wieder ein wenig zu arg wurde.

„Ich kann so nicht arbeiten!“, fluchte Gott und lehnte sich aus dem Fenster. „Ruhe da unten! Ruhe jetzt, oder ich schicke die Cherubim!“

Scheißedeckele, die Menschheit pfiff ihr was und machte einfach weiter. Ich meine, was kann denn so eine Gott auch ausrichten, wenn man dem frechen Nachbarn erst einmal die Vorstufe zur Zahnarztbehandlung einrichten muss, oder?

Gott wurde daraufhin fuchsteufelswild und fuchtelte mittels göttlichem Spazierstock aus dem Fenster heraus. Dabei traf sie zufällig eines der Bruchstücke, die von den damaligen Experimenten in Sachen Mond noch am Himmel herumsausten. TONK machte es, und das ziemlich große Bruchstück machte sich auch gleich aus der Umlaufbahn auf den Weg in den Anziehungsbereich der Erde.

Und jetzt kommt Noah ins Spiel.

Noah, das war so ein Abgedrehter. Keiner konnte ihn so richtig leiden, den Freak. Noah hatte nämlich die Angewohnheit, durch ein Rohr zu gucken. Kleine, geschliffene, durchsichtige Steine hatte er in das Rohr eingesetzt und schaute damit nachts in den Himmel. Oder beis Nachbars durchs Schlafzimmerfenster, aber nur, wenn seine Frau ihn nicht sah und die Nachbarin sich gerade umzog. Fernrohr nannte er seine Erfindung, und wirklich, fern schien sein Verstand in den Augen der anderen zu sein, wenn er das Rohr benutzte.

Nun fiel Noah natürlich auf, dass sich da am Firmament etwas verändert hatte. Einer der hellen Flecke, die da als Sterne herumfunkelten, hatte seine Position geändert und wurde nun von Nacht zu Nacht heller und größer. „Das ist nicht gut“, dachte Noah, „echt nicht gut. Das wird wohl ein Problem geben.“ Und er begann, sich Gedanken zu machen. Da er offensichtlich einen an der Waffel hatte und daher ein wenig außerhalb wohnte, fiel es auch niemandem so richtig auf, als Noah anfing, ein Schiff auf Kiel zu legen. Richtig schick, mit Spanten, Beplankung, Ruder und Mast. Eben so allem, was dazugehört. Es hätte Noah auch nichts ausgemacht, wenn ihn die Leute weiterhin als Spinner abgetan hätten, war doch das Meer einige zig Kilometer entfernt.

Jedenfalls schaute er sich noch mal die Menschen, speziell seine Nachbarin durchs Fernrohr, an und erkannte, dass sie ihm nur Ärger machen würden, ließe er sie an seiner Rettungsaktion partizipieren. So entschied er sich, lediglich die Tiere mitzunehmen, damit wenigstens die das kommende Desaster überleben könnten. Und somit wurde Noah der erste WWF-Aktivist der Erde.

Man muss zugeben, es bereitete Noah schon einige Schwierigkeiten, die Tiere ihren Käfigen zuzuordnen. Einige Schafe musste er recht schnell ersetzen, denn irgendwie vertrugen sie sich nicht so gut mit den Wölfen im selben Kabuff. Aber noch hatte er ja Auswahl. Ich schätze mal, dass damals die Zahl der bekannten Tiere sowieso um ein vielfaches geringer war als heute, und somit wird Noah nur die für ihn notwendigsten Viecher eingepackt haben. Ein paar Esel, Rinder, Schafe, Ziegen, Hühner und Gänse. Da er im Nahen Osten lebte, waren Schweine nicht vorgesehen, ihr Fleisch verdarb nach Schlachtung zu schnell, so dass man sie später, als die Religion erfunden wurde, als unrein brandmarkte.

Jedenfalls kam dann der Tag, da der Komet die Atmosphäre der noch relativ jungen Erde durchbrach und mit einem Höllenlärm und riesigem Feuerschweif ins östliche Mittelmeer krachte. Tonnen von Meerwasser verdampften innerhalb von Sekundenbruchteilen und bildeten immense Wolkenfelder, die durch den Luftdruck des Einschlags übers Land getrieben wurden. Gleichzeitig erhob sich ein riesiger Tsunami und spülte im Umkreis mehrerer Tausend Kilometer alles fort. Atlantis als eine der ersten, fortschrittlichen Städte, wurde komplett zerstört. Es gab fast keine Überlebenden in den besiedelten Küstengebieten, und selbst Noah, abseits im Hinterland, konnte von Glück sagen, dass der Tsunami ihn nicht erreichte. Stattdessen regneten sich die verdampften Wassermassen über den Randgebieten des Tsunami ab und sorgten für heftigste Überschwemmungen. Und Noah mit seinem Schiffchen mittendrin. Gut, dass es damals noch keine Unternehmensberater gab. Sonst wäre, neben Atlantis, auch von Noah nicht viel übrig geblieben. Außer einer Sage.

So kam es aber, dass just am vierzigsten Tage nach den sintflutartigen (ah, daher kommt der Ausdruck!) Regenfällen sich das Wetter besserte und – KRACKS – Noah mit seiner Arche an einem Berg hängenblieb. Mitten in der Türkei. Also schickte Noah einen Raben los, ihm einen Döner zu besorgen, falls dies nicht nur eine Sandbank sei, auf der er festsaß. Nun, wie Raben so sind, kam er nicht mit dem Döner zurück, sondern ließ sich ihn erst einmal selbst munden. Nach dem hervorragenden Mahl hatte er allerdings seinen Auftrag vergessen und rabelte lieber noch einmal zum Mülleimer, ob da nicht noch mehr zu finden sei.

Also schickte Noah eine Taube los, die auch mit einem Ölbaumzweigchen zurückkam. Ein Zeichen für Noah, dass das Land wieder besiedelbar sei. Und ein Zeichen, welchen Schwachsinn die Schreiber in der Bibel hinterlassen haben. Denn welcher Baum überlebt unbeschadet 40 Tage unter Wasser? Ergo muss es damals nicht überschwemmte Gebiete gegeben haben.

Noah jedenfalls siedelte in der trockenen Gegend auf dem Ararat und erfand die erste Sternwarte. Denn dort, hoch oben auf dem Berg und über der doch ziemlich nervenden Wolkendecke war das Beobachten des Himmels um Einiges einfacher als unten im Tal. Nur, dass jetzt halt keine nette Nachbarin mehr in sein Blickfeld geriet.

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