Das nagelneue Testament

21. Januar 2009

Der zweite Tag – geschrieben vom Apostel Pathologe

Filed under: Erster Teil — nagelneuestestament @ 13:05

Die erste von ihm selbst geschaffene Nacht hatte Gott schlecht geschlafen. Der Urknall vom Spielen mit dem sicherungsbefreiten Schalter klang ihm immer noch im Ohr nach. Außerdem war Vollmond gewesen. Klar, die erste Nacht bereitet immer irgendwie Schwierigkeiten.

Jedenfalls schaltete er vorsichtig das Licht wieder ein. „Tag, Erde.“ sagte er. Und somit hatte er auch das deutsche Wort erfunden. „Was mache ich heute denn nur?“ fragte er sich. Schließlich war das ja Erde 1.0, was er gerade zusammengebastelt hatte. Irgendwie gefiel es ihm aber noch nicht so ganz. Und so zog er erstmal einen Schlußstrich unter die Sache.

Lustigerweise lag dieser Strich genau auf der Horizontlinie und teilte, wenn man sich richtig hinstellte, das Helle in Erde und … und… „Himmel, wie nenn‘ ich das bloß?“ dachte Gott. „Himmel, ja!“ fiel es ihm wie – noch nicht existente – Schuppen von den Augen. „Mann, geiles Design. Und so intelligent!“ Da ihn aber diese ungewohnte Arbeit müde gemacht hatte, verzog er sich wieder auf sein göttliches Chaiselongue und schaltete das Licht aus. „Gute Nacht!“

Und so kam es, dass Gott nicht nur Himmel und Erde am zweiten Tag konstruierte, sondern auch noch das intelligente Design erfand.

Edit 1: Die Apostelin Jekylla weiß noch folgendes zu berichten:

Da Gott ja wie erwaehnt niemals schlaeft, war die Ruhe von kurzer Dauer. Himmel, gut und schoen, aber einfach nur so Himmel – er war sicher, da geht noch was. Blauer Himmel, grauer Himmel, Wolkenhimmel. Himmeldonnerwetter, das waren Moeglichkeiten, die er gar nicht bedacht hatte. DONNERWETTER! Gewitterhimmel! Neu inspiriert machte sich Gott an Blitz und Donner, das Projekt Himmel 1.0 nahm seine Aufmerksamkeit voll in Anspruch. Aber immer noch war niemand da, der seine Kreationen ausreichend, angemessen und frenetisch haette wuerdigen und feiern koennen.

Edit 2: Der zweite, göttliche Gedankenblitz erschlägt die Apostelin Jekylla:

Welt, Licht, Dunkel, Himmel, Erde, Wasser. Gott war ziemlich zufrieden mit sich. War ja auch sonst keiner da, der es haette sein koennen. Und das alles in zwei Tagen.
Daraufhin haette er gerne ein knuspriges Haehnchen gegessen, dazu ein kuehles Bier gezischt und danach einen Joint nicht inhaliert. Als ihm einfiel, dass er das noch gar nicht geschaffen hatte.
Im „Handbuch fuer goettliche Plaene“ fehlten natuerlich saemtliche Hinweise, wie in einer solchen Situation zu verfahren waere. Klar. Hat ja auch vorher keiner was reingeschrieben. Fuer einen Moment war Gott ratlos. Wenn um Himmels willen konnte er fragen?

Edit 3: Bei der Apostolischen Larousse springt der jekylla’sche Funke über. Restelektrizität.

Um die Zeit bis zur Erfindung des Brathändls und des Humpens sinnvoll zu überbrücken und in Ermangelung eines anständigen LFA (es war ja schliesslich auch erst Dienstag) entschied sich Gott, eine Feste ganz für sich allein zu organisieren. Eine grosse Feste: er knipste alle Sterne an -Klack-, nahm sich ein grosses Glas Atlantik – geschüttelt, nicht gerührt – und begann genüsslich, sich selbst feste zu Feiern.
Und der Erleuchtungen zu harren, die er an diesem Dienstag im All noch so haben würde.
Gähn.

Edit 4: AP.ostel GPunkt ergänzt
Wenn er schon so alleine (ohne honey garlic roasted chicken breast und pints of pale ale) rumhing, hätte er die Geschichte auch gleich bloggen koennen.
Da aber in den ersten beiden Tagen noch keine Sau (auch die war noch nicht geschaffen) kommentiert hatte, ließ er wieder davon ab, rührte sich erstmal eine Tütenursuppe an und harrte der Dinge.

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