Das nagelneue Testament

21. Januar 2009

Der vierte Tag. Apostöse Larousse schöpft. Aus den Vollen.

Filed under: Erster Teil — nagelneuestestament @ 13:39

Am vierten Tag schuf Gott die Sonne, die Sterne und den Mond.
OK, das ist jetzt vielleicht etwas dürftig, aber bedenket, er war in der Reihenfolge eh schon etwas durcheinander geraten und auch nicht mehr der Jüngste, unser lieber Gott.
Er war ein bisschen durcheinander.
Unorganisiert.
Er war ein bisschen.. nun ja, wie eine Frau.

Jedenfalls, als Gott am vierten Tag erwachte und sich so in seinem neuen Zuhause umsah, schöpfte er Hoffnung, dass das Projekt Erde vielleicht schon in 5 Tagen zu schaffen sei. So langsam begann das Ganze ihn doch etwas zu langweilen. Man schöpft und schöpft und keiner sagt mal „Boh, DAS hast Du aber TOLL gemacht, mein Gott!“ und auf die Dauer macht das einfach keinen Spass.
Er schlug also in seinem „Gestalte Deine Welt in nur sieben fünf Tagen“-Ratgeber nach, was eine Erde noch so braucht zum Funktionieren.
MOND stand da.
„So sei es“ sagte Gott.
(An dieser Stelle muss der geschätzte Leser sich einen GROOOOSSEN Hokuspokus vorstellen, mit viel Zäng und Bäng und Ähnlichem – Danke.)
Gott setzte sich auf seinen Himalaya und sah sich sein neuestes Werk an und war es zufrieden.
Und aus lauter Zufriedenheit schöpfte er mit letzter Kraft Atem und den ersten Feiertag: Den Frohnleichnam.
Blöder Name, das wusste Gott auch, aber da er mit dem Projekt „Sprache und Ihr Nutzen“ noch nicht sehr weit gekommen war, beliess er es dabei.
Und es ward Abend, und es ward Morgen.
Und der Mond funktionierte noch immer.

Edit 1: beobachtet von Apostulata Jekylla
Ganz zufrieden war Gott mit diesem halbangefangenen Tag aber nicht. Sein Output war eher lausig, nur dieser Mond, der eigentlich nichts konnte als auf- oder untergehen. Man koennte ihn ja auch kleiner und groesser machen, dachte Gott.
Also der Mond dann sich selbst. So nach und nach. Langfristig gesehen hatte Gott an der Wartung der Leuchtkugel ohnehin kein Interesse. Ueber einen Wartungsinspektor wuerde er spaeter nachdenken.

Noch schnell ein paar Sterne aus der Kutte geschuettelt. Er mochte diese lustigen kleinen Lichtblitze. Haette es damals Hubert Kah schon gegeben, Gott haette die Melodie gesummt. Also summte Gott eine Melodie, die spaeter Hubert Kah zu deutschlandweitem Erfolg verhalf. Was damals noch keiner wusste. Es gab ja auch nur Gott. Und man konnte sie auch von oben runterwerfen, dann bekamen die Sterne kleine Schweife. Feines Spielzeug. Das Kind im Gott eben.

Edit 2: Diagnose des appetitlichen Pathologen

Wie wir ja wissen, ist Gott nicht unfehlbar. Einige Jahrhunderttausende später wird es mal sogenannte Stellvertreter geben, die dies von sich behaupten. Und so machte Gott auch einige Fehler. Speziell beim Mond.

Die ersten Versuche gingen mangels Materialermüdung schon mal schief. Bevor der aktuelle Mond (Version 42.0.0.1) seinen Dienst aufnahm, momentan noch ohne Mondmann zur jährlichen TÜV-Untersuchung, zerfielen Gott einige Exemplare beim orbitalen Beschleunigungstest in kleine Bruchstücke. Da die physikalischen Gesetze noch nicht erschöpfend behandelt worden waren – auf der Erde regnete es zeitweise von unten nach oben, damit die Wolken wieder gefüllt wurden – regneten diese Bruchstücke nicht der allgemeinen Anziehungskraft folgend zu Boden, sondern schwirrten hilf- und ziellos durchs All. „Komet zurück“ rief Gott, die Rechtschreibreform hatte noch nicht gegriffen. Aber die Kometen hörten nicht, denn Ohren waren nicht vorgesehen im intelligenten Design. Einer von ihnen sollte allerdings noch einmal eine Rolle spielen, in ferner Zukunft, ein Dreivierteljahr, nachdem Gott eine Menge Spaß mit einer gewissen Maria hatte.

Auch einige Versuche, die zu groß oder nicht schön genug geraten waren, ließ Gott einfach so im Raum hängen. So beispielsweise ein Entwurf mit einem niedlichen Ring aus Gesteinsbrocken. Gott wusste ja nicht, dass man mal einen Elektronikladen so nennen würde. Aber im Großen und Ganzen war Gott zufrieden. Und als der Mond am nächsten Tag immer noch funktionierte, heulte Gott ihn glücklich an.

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