Das nagelneue Testament

21. Januar 2009

Der sechste Tag – es wird pathologisch gemenschelt

Filed under: Erster Teil — nagelneuestestament @ 14:12

Zwischen dem fünften und dem sechsten Tag ließ Gott einige hunderttausend Jahre verstreichen. In dieser Zeit hatten einige Dinosaurierarten Zeit, auszusterben, andere Tierarten entwickelten sich prächtig oder neue Eigenschaften, selbst die in der Wiedervorlage befindlichen Strauße, Pinguine, Emus und andere Laufvögel hatten Zeit, sich funktionsfähige Flügel wachsen zu lassen.

Gott setzte sich also eines schönen Tages hin und entschied, dass dies nun der sechste Tag der Schöpfung sei. Auf seiner Agenda stand für heute: Kreation eines Ebenbildes. Nichts leichter als das, dachte sich Gott. Es nahm eine Packung Instant Lebensform und las die Gebrauchsanleitung durch.

Herzlichen Dank, dass Sie sich für das einzige Instant Lebensform-Produkt aus dem Hause Intelligentes Design entschieden haben.
Für eine etwa 75 kg schwere Lebensform benötigen Sie nur noch 72 Liter Wasser. Rühren Sie Instant Lebensform in einem geeigneten Gefäß mit dem Wasser an. Um ein bunteres Ergebnis zu erreichen, können Sie auch noch von unseren ökologischen Farben etwas hinzumischen, das Ergebnis variiert abhängig von der Menge der zugegebenen Farbe. Die Farben werden in 4 untereinander mischbaren Grundtönen angeboten (schwarz, braun, gelb und rot). Lassen Sie die Mischung etwa zwei Stunden aufgehen, rühren Sie dann noch einmal kräftig durch und formen Sie danach Ihre Lebensform.

Mindestens haltbar bis 300.000 AC

Gott kratzte sich am Kopf. Eigentlich war die Mischung ja schon 150.000 Jahre abgelaufen, aber das war ja ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Also roch es vorsichtig an der geöffneten Verpackung. Nichts Auffälliges. Dann rührte Gott testweise eine Lebensform an. Nach besagtem Aufgehen ging es ans Formen.

Gott stellte sich vor den Spiegel und schaute sich an. „Das muss doch hinzukriegen sein“, dachte es sich. „Kopf, Beine, Arme, Körper, Brüste!“ – Doch genau hier lauerte die Tücke im Detail. Denn dadurch, dass Instant Lebensform abgelaufen war, funktionierte das mit den Brüsten nicht. Jedesmal rutschten sie, der Schwerkraft gehorchend, am Körper hinunter, bildeten einen dicken Knubbel und stülpten weiter unten einen kleinen Teil des Körpers nach außen. Gott war nach einigen hundert Versuchen am Verzweifeln. „Na gut, dann eben nicht“, dachte es sich, „dann stelle ich halt ein Exemplar als Muster in den Garten Eden, als Vogelscheuche. Und die anderen Muster stampfe ich ein.“ Doch nur eine Minute Unachtsamkeit reichte, und ein paar der Exemplare machten sich aus dem Staub. Das waren Jopi Heesters, Keith Richards und Mick Jagger. Gott fiel das nicht auf, und nach einer kleinen Ewigkeit hatte es das auch wieder vergessen.

Dann warf Gott die restlichen Packungen Instant Lebensform auf den Müll und überlegte sich eine alternative Methode. Dabei kamen ihm seine früher mal geschaffenen Primaten in den Sinn. Die sahen ja ähnlich aus. Also mal kurz in den göttlichen Masterplan geschaut, welche Arten des Faceliftings da noch möglich waren. „Genmanipulation“ stand da an erster Stelle. Da ihm die Paviane immer noch böse waren wegen der Geschichte mit dem Tischplattenrutscher, nahm sich Gott einen Satz Schimpansen und Gen-te etwas herum. Die ersten Exemplare waren immer noch eine ziemlich haarige Angelegenheit, aber mit der Zeit ging das. Noch mal kurz das Gen für die Körperbehaarung feinjustiert, und schon fielen die Haare, am Kopf beginnend, dünner aus. Das hält sich übrigens teilweise bis heute. „Ok“, dachte sich Gott, „das haut ja hin. Zwar nicht exakt mein Ebenbild, aber so ziemlich schon.“

„Heh, und ich? Was ist mit mir?“ tönte es da aus dem Garten Eden. Die Vogelscheuche probte den Aufstand. „Das kann doch nicht angehen, dass du hier rumbastelst, von jedem Lebewesen zwei Versionen entwirfst, die dann tage- und nächtelang Krach machen bei der Vermehrung, und ich sitze hier rum und kann an mir selber spielen, oder was?“ „Mensch, Adam“, sagte Gott, und hatte damit unwissentlich die Gattungsbezeichnung Mensch erfunden, „mach nicht so einen Terz. Soll ich mir eine Spielgefährtin für dich vielleicht aus den Rippen schneiden?“ „Mir doch egal“, nörgelte Adam zurück, „hauptsache, ich kriege mal ein Rippchen gekocht.“ Da Gott die Nörgelei auf den göttlichen Keks ging, setzte es auf einmal ein diabolisches Lächeln auf. Ein kleiner Schlag auf Adams Hinterkopf, und dieser ging zu Boden. Schnell das Skalpell ausgepackt, eine Rippe ausgebeint, und noch mal aus dem Müll eine angebrochene Packung Instant Mensch rausgewühlt. Etwas Hokuspokus und Spucke, schon stand da Eva rum.

Natürlich war Eva eine Zicke. „Ich will aber nicht Eva heißen, ich will lieber Paris heißen!“, ging es gleich als Erstes los. „Und außerdem, was soll das heißen, Baum der Erkenntnis, und wieso dürfen wir davon nichts essen?“ Gott schaute sich Eva lange an, dann Adam, dachte kurz an einen Blitzeinschlag, verwarf diesen Gedanken aber wieder, da es ziemlich aufwendig werden würde, danach den Garten wieder herzurichten. Dann sagte es: „Wenn ihr vom Baum der Erkenntnis esst, werdet ihr erkennen, dass ihr nichts wisst. Also bleibt lieber doof.“ Dummerweise hatte er aber einen Schokoladebaum als Grundkonzept für den Baum der Erkenntnis benutzt. Und Eva konnte nicht umhin, jedes Mal die Rinde abzulecken, wenn sie am Baum vorbeikam.

Edit 1: rapportiert von Apostula J.
Adams Ueberraschung am naechsten Morgen war unuebersehbar gewesen. Wobei er damit noch nichts anfangen konnte. Abgesehen davon war der Raub einer Rippe ja nicht unbedingt etwas, mit dem man den Morgen freudig begruesst. Zumal er spontan das Gefuehl hatte, die Rippe nunmehr nicht mehr im Oberkoerper, sondern zwischen den Beinen zu haben, aber das legte sich.
Nach Ansicht von Gottes Werk stellte Adam fest, dass er lieber zwei weitere Adams gehabt haette, so haette man wenigstens pokern koennen. Oder noch 21 andere und einen Ball, aber er sah ein, dass nach Abgabe von 21 Rippen die Luft fuer ihn etwas duenn geworden waere. Aber musste es denn SO ein Modell sein?
Die Bauteil an Eva 1.0, die anders waren als seine, waren zwar wenigstens ballaehnlich, aber offenbar ohne jegliche Funktion. Als er versuchte, durch Zusammendruecken Toene herauszulocken, brachte ihm das die erste Ohrfeige ein und das war nun nicht paradiesisch. Er begann am Konzept zu zweifeln.
Adam hatte das untruegliche Gefuehl, dass dieses Weib nur Aerger bringen wuerde, obwohl er ja ansonsten keinerlei Erfahrung mit Weibern hatte.
Schluss wars mit der beschaulichen Ruhe, den ganzen Tag ging es „Adam, schau doch mal hier!“ „Hey Adam, crem mir doch mal den Ruecken ein bitte!“ „Adam, mir is sooooo langweilich!“

Was fuer eine grottenschlechte Idee von Gott. Das erste Mal kamen Adam Zweifel, ob es sich bei Gott wirkich um einen Mann handelte. Ein Mann tut einem anderen Mann so etwas einfach nicht an.
Die Zweifel zerstreuten sich, als er Zeuge eines spaeter bedeutsamen Gespraechs wurde. Gott erklaerte Eva, dass sie alles haben koennte, nur die Fruechte an diesem Schokoladengeschmacksbaum nicht.
Adam schnappatmete vergnuegt. Wie konnte Gott glauben, dass sie DAS befolgen wuerde? Eva? Eine FRAU? Und ueberhaupt, was sollte eigentlich diese Erkenntnis sein, die man da gewinnen koennte? Fuer Adams Begriffe wusste er genug. Und dieses Hardcoreweib war schon mit der Schlange am Quasseln.

Wie es so seine Art war, hoerte Adam aber schnell auf, sich Gedanken zu machen. Manchmal muss man Dinge einfach so lassen, wie sie sind. Oder sie nehmen, wie sie kommen. Nur kein Stress. Ganz schlecht fuers Wohlbefinden.
„Adam, nun komm doch mal. Jetzt komm doch mal und schau mal!“
Missmutig tat Adam, wie befohlen und wie auch die folgenden Jahrhunderte viele nach ihm.

Edit 2: die apasthologische Ergänzung:

„Schau mal, da, die Früchte. Ich habe ja bald Geburtstag, und wenn du nicht weißt, was du mir schenken sollst, ich finde diese Teile ja ausgesprochen lecker!“ Eine ganze Weile ging das so weiter, denn Eva hatte Adam recht schnell durchschaut. Sie wusste, dass das einfache Gehirn, das Gott dort verbaut hatte, wiederholte äußerliche Einwirkung brauchte, um sich an etwas erinnern zu können. Wunderbarerweise funktionierte dies problemlos mit der Augen-Hirn-Verbindung, was Eva am leichten Sabbern erkennen konnte, das immer einsetzte wenn sie sich aufreizend hinsetzte. An der Ohren-Hirn-Verbindung indes arbeitete sie noch. Glücklicherweise gehörte Adam aber immer noch zu den geistig einfacheren Exemplaren, logisch, es gab ja keine Vergleichsmöglichkeit. Und so ließ er sich überreden, einige Früchte abzumachen und diese auch selbst vorzukosten. Denn es hätte ja sein können, dass die Früchte wirklich giftig waren. Adam also, in seiner unsäglichen Naivität, kostete vom Schokoladebaum. Und als er nach ein paar Minuten nicht umfiel, probierte auch Eva. Und das schmeckte so gut!

Als Gott nach einer Weile im Garten Eden nachsah, was so Sache ist, denn es war außergewöhnlich ruhig (und das bedeutet immer, dass was nicht stimmt!), versteckten sich Adam und Eva hinter Büschen. „Hey, ihr zwei, was geht? Wieso versteckt ihr euch?“ fragte Gott. „Nichts ist los“, meinte Eva, „nur zu heiß in der Sonne. Da kann ich ja Hautkrebs kriegen, Melanome, Falten und Krähenfüße!“ Und Eva trat aus dem Schatten hervor. Schon ihre Antworten ließen Gott Schlimmes ahnen, aber als er das Hüftgold entdeckte, das es mit Sicherheit nicht dort hingebastelt hatte, wie auch die Speckringe um Adams Bauch, da wusste Gott, dass die beiden gnadenlos zugeschlagen hatten.

„Raus jetzt, time is over, Schluss, Ende, Aus. So geht’s ja nicht“, polterte Gott los und warf die Beiden aus dem Paradies. Schlimm genug, dass Eva auf dem Weg nach draußen noch einige Feigenblätter abriss, um sich mit Klopapier einzudecken. Denn Baströckchen, fand sie, waren doch viel kleidsamer. Draußen, vor dem Tor, postierte Gott zwei Wachturmengel mit Flammenschwertern und einen Rollstuhlfahrer mit Terroristenaversion, damit ihm nicht wieder irgendwelche Autonome in seinen heiligen Damm einbrechen konnten.

Szenenwechsel

Die Vertriebenen waren ja eigentlich nur Entwürfe für Vogelscheuchen, den echten Menschen hatte Gott ja bereits durch Genmanipulation aus dem Schimpansen entwickelt. Und genau dort setzte Gott auch wieder an. Noch wütend darüber, dass ihm die besten Pralinen geklaut worden waren, stampfte er mit dem Fuß auf und setzte damit den Kontinentaldrift in Gang, der die bestehende Welt in verschiedene Kontinente teilen sollte. Immer noch wütend, scheuchte er auch die inzwischen größer gewordene Menschengruppe auf, die sich teilweise zur Völkerwanderung aufmachte und die restlichen Gebiete dieser Erde besiedelte.

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